Tansania: Gouverneur eröffnet Jagd auf Schwule

17 Mann starke Spezialeinheit soll innerhalb einer Woche „jeden Schwulen einsammeln“

Paul Makonda
Dizzim Online/YouTube

Bis zu 30 Jahre Haft stehen in Tansania auf gleichgeschlechtliche Handlungen – jetzt wird die Situation besonders für Schwule noch gefährlicher: Paul Makonda, Gouverneur von Daressalam, der größten Stadt des Landes, hat eine Hetzjagd auf Angehörige sexueller Minderheiten gestartet.

Innerhalb einer Woche soll eine Spezialeinheit „alle Schwulen einsammeln“

So soll ab heute eine 17 Mann starke Spezialeinheit innerhalb einer Woche „jeden Schwulen einsammeln“, kündigte der 36-jährige Politiker an. Der Einheit sollen auch Ärzte und Polizisten angehören. Sie ist bei der tansanischen Kommunikationsbehörde angesiedelt, die auch gegen Pornografie vorgeht.

„Ich habe Informationen über die Anwesenheit vieler Homosexueller in unserer Provinz. Gebt mir einfach ihre Namen. Mein Ad-hoc-Team wird sie dann bis zum kommenden Montag in die Hände bekommen“, so Makonda, ein erzkonservativer Christ, gegenüber lokalen Medien. Besonders schwule Männer sollen durch gezielte Razzien festgenommen werden.

Die Bevölkerung soll ihre Nachbarn vernadern – und macht das auch

Die mehr als vier Millionen Einwohner sollen Homosexuelle oder in „Verdacht stehende Homosexuelle“ melden. „Wenn sie von einem Schwulen wissen, müssen sie ihn einem Polizeibeamten melden. Niemand darf entkommen“, so der Gouverneur. Medienberichten zufolge sollen solche Listen bereits 19.000 Namen enthalten. Makonda selbst spricht von „mehreren Hundert Namen“ auf seiner „Schwulen-Liste“.

Grund für die Verfolgung: Schwuler Sex würde nach Meinung von Makonda „die moralischen Werte der Tansanier und unserer beiden christlichen und muslimischen Religionen mit Füßen“ treten. Der Gouverneur erklärte, er erwarte zwar weltweite Gegenreaktionen, würde es aber vorziehen, „diese Länder zu verärgern, anstatt Gott zu verärgern“.

Auf schwulen Sex stehen bis zu 30 Jahre Haft

In Tansania gilt noch ein Gesetz aus britischer Kolonialzeit, das männliche gleichgeschlechtliche Handlungen unter Strafe stellt. Und diese ist härter als in den meisten anderen Ländern, in denen es noch ähnliche Gesetze gibt: Nach einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2002 sind bis zu 30 Jahre Haft für einvernehmlichen schwulen Sex möglich. Lesbischer Sex ist in den meisten Regionen erlaubt, nur in der teilautonomen Region Sansibar droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren.

Im Jahr 2017 wurden in Daressalam dutzende Männer verhaftet, die nach Meinung der Polizei Homosexualität „gefördert“ oder „an schwulem Sex beteiligt“ hätten. Bei einer Polizeirazzia in Sansibar wurden mindestens 20 Teilnehmer eines Aids-Workshops wegen „homosexueller Aktivitäten“ festgenommen. Lesben und Schwule werden auch immer wieder von aufgebrachten Menschen gelyncht.

Der Homo-Hass in der Politik von Tansania hat teils skurrile und gefährliche Auswirkungen.  So mussten die Krankenhäuser letztes Jahr die Behandlung HIV-Positiver einstellen, da diese „für Homosexualität sorgen“. Gesundheitsminister Ummy Mwalimu verbot den Verkauf von Gleitmittel, da es „schwule Männer zum Sex ermutigen würde“.