Schwulenjagd in Tansania: USA warnen ihre Bürger

Man solle seinen Fußabdruck in Sozialen Medien überprüfen, warnt das Außenamt

Flagge von Tansania
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Die Ankündigung von Paul Makonda, Gouverneur von Tansanias größter Stadt Daressalam, innerhalb einer Woche mit einer speziellen Taskforce alle Schwulen der Vier-Millionen-Stadt festzunehmen, lässt auch in den USA die Warnglocken schrillen.

„Entfernen Sie Bilder, die den Anti-LGBT-Gesetzen zuwiderlaufen könnten“

Das US-Außenministerium hat seinen Staatsbürgern in Tansania empfohlen, ihren „Internet-Fußabdruck und Profile in Sozialen Medien“ überprüfen: „Entfernen oder schützen Sie Bilder und Aussagen, die tansanischen Gesetzen bezüglich gleichgeschlechtlicher Praktiken und expliziter sexueller Aktivität zuwiderlaufen könnten“, heißt es in der Warnung.

Auch sollten sie lokale und internationale Nachrichten genau beobachten. Die Botschaft macht auch darauf aufmerksam, dass die Behörden in Tansania nach den Bestimmungen der Wiener Konvention zwar dazu verpflichtet seien, bei einer Verhaftung von US-Staatsbürgern die diplomatische Vertretung zu kontaktieren – aber „das wird nicht immer gemacht“.

Auch das deutsche Außenministerium zeigt sich besorgt

Auch das deutsche Außenministerium verfolgt die Jagd auf sexuelle Minderheiten in Tansania seit längerer Zeit mit großer Sorge. Die Ereignisse dieser Woche stellten dabei eine besorgniserregende Verschärfung dar, so das Ministerium gegenüber der deutschen Bild-Zeitung.

Die Regierung von Tansania hat sich von den Ankündigungen des Gouverneurs mittlerweile distanziert – allerdings ohne die Pläne auch zu verurteilen. Das Vorhaben von Makonda stehe nicht für die Politik der Regierung, erklärte Außenminister Augustine Mahiga.

Die Lage für sexuelle Minderheiten in Tansania verschlechtert sich seit Jahren

Die Verfolgung sexueller Minderheiten steht in Tansania auf der Tagesordnung: Im Jahr 2017 wurden in Daressalam zwölf Männer verhaftet, die nach Meinung der Polizei Homosexualität „gefördert“ oder „an schwulem Sex beteiligt“ hätten. Bei einer Polizeirazzia in der teilautonomen Region Sansibar wurden vor einigen Tagen zehn Personen wegen „homosexueller Aktivitäten“ festgenommen.

Nach einer Gesetzesänderung aus dem Jahr 2002 sind bis zu 30 Jahre Haft für einvernehmlichen schwulen Sex möglich. Lesbischer Sex ist in den meisten Regionen erlaubt, nur in Sansibar droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren. Lesben und Schwule werden auch immer wieder von aufgebrachten Menschen gelyncht.

Die Politik von Tansania fördert mit ihren Aussagen homophobe Ausschreitungen: Der 2015 gewählte Präsident John Magufuli sagte letztes Jahr über westliche Länder, die versuchen, Homophobie in Tansania zu bekämpfen: „Sie brachten uns Drogen und homosexuelle Praktiken, die selbst von den Kühen abgelehnt werden.“