Queer-Regisseurin Monika Treut auf S-Bahn-Gleise gestoßen

Die Tat wurde von einer offenbar psychisch verwirrten Frau begangen

Monika Traut
Hyena Filma - CC BY-SA 3.0

Die deutsche Regisseurin Monika Treut, eine der Wegbereiterinnen für das New Queer Cinema, ist letzte Woche Opfer einer Attacke geworden: Die 64-Jährige wurde an der S-Bahn-Station Sternschanze von einer offenbar psychisch kranken Frau auf die Gleise gestoßen und dabei verletzt.

Ohne Grund stößt die 56-Jährige die Regisseurin auf das Gleis

Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, soll eine 56-Jährige der lesbischen Regisseurin am 1. November kurz nach sieben Uhr ohne erkennbaren Grund einen kräftigen Schulterstoß versetzt haben, die Regisseurin stürzte vom Bahnsteig auf das Gleisbett. Treut hatte noch Glück im Unglück: Die S-Bahn ist weit entfernt, zwei Männer können sie von den Gleisen retten.

Sie wird mit dem Rettungswagen ins Unfallkrankenhaus Boberg eingeliefert. Dort diagnostizieren die Ärzte unter anderem einen Beckenbruch. Die 64-Jährige wurde stationär aufgenommen und muss starke Schmerzmittel einnehmen.

Die Verdächtige dürfte nicht zurechnungsfähig sein

Beamte der Bundespolizei konnten die mutmaßliche Täterin kurz darauf festnehmen. Sie leugnete die Tat, konnte aber durch die Überwachungskameras eindeutig identifiziert werden. Weil sie kaum ansprechbar ist, wurde die 56-Jährige in die Psychiatrie eingewiesen. Gegen die Frau wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Um herauszufinden, ob die Frau den Tod der Regisseurin zumindest billigend in Kauf genommen hat, sucht die Polizei deshalb noch nach Zeugen – besonders nach den Männern, die Monika Treut aus dem Gleisbett gerettet haben.

Monika Traut ist eine Pionierin des New Queer Cinema

Die Regisseurin gilt als Pionierin des Queerfilms. Bekannt ist sie vor allem durch Dokumentarfilme, die die Grauzone zwischen den Polen Männlich und Weiblich ausleuchten.

Der erfolgreichste von ihnen ist der 1999 entstandene Film „Gendernauts – eine Reise durch das Land der Neuen Geschlechter“. In dieser 86-minütigen Produktion beobachtet sie die genderqueere Szene in San Francisco. Für den Film wurde sie in Berlin mit dem Spezialpreis der Teddy-Jury ausgezeichnet.

Für ihre engagierte Arbeit ist die international hochgeachtete Filmemacherin mehr als ein Dutzend Mal ausgezeichnet worden und war bereits 2003 für den Grimme-Preis nominiert. Vergangenes Jahr erhielt Treut auch den Special-Teddy-Award für ihr Lebenswerk.