Überraschende Kontrollen plagen Berliner Sexclubs und Cruising-Bars

Zuletzt stürmen zwanzig Beamte im laufenden Betrieb einen Club, um die Räume zu vermessen

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Orte, an denen schwuler Sex praktiziert wird, kommen offenbar immer häufiger ins Visier der Berliner Behörden. Wie das Stadtmagazin Siegessäule berichtet, wurde letzten Mittwoch ein schwuler Sexclub mitten während einer Veranstaltung von mehr als zwanzig Personen genau gefilzt.

Zwanzig Beamte begutachteten während des Betriebs den Sex-Club – um Genehmigungen zu checken und Räume zu vermessen

In den Vereinsräumen von Ajpnia e. V., einem „sexpositiven Club für schwule Männer“ in Schöneberg lief gerade die Veranstaltung „Feierabend-Verkehr“, als dieser gegen 22.00 Uhr jäh unterbrochen wurde. Beamte des Ordnungsamtes und der Bauaufsicht sowie Polizisten des Landeskriminalamtes betraten die Räumlichkeiten ohne vorherige Ankündigung.

Der „Feierabend-Verkehr“ wurde für die Amtshandlung unterbrochen, damit die Beamten die Konzession des Vereins überprüfen und die Räumlichkeiten vermessen konnten. Das Team des Vereins musste die verschreckten Gäste über die Maßnahmen der Behörden informieren.

Einige Gäste sollen das Lokal danach eingeschüchtert verlassen haben

Nach dem Einsatz wurde die Veranstaltung fortgesetzt. Nach Informationen der Siegessäule haben aber einige Gäste die Räumlichkeiten eingeschüchtert verlassen. Frank Ludwig und Peter Günther, die Vorstände von Ajpnia e. V., betonten in einer Pressemitteilung, über die Art des Einsatzes, der auch die Gäste gestört hatte, überrascht worden zu sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass in jüngster Zeit Sex-Clubs und Darkrooms von den Berliner Behörden genauer unter die Lupe genommen werden. Begründung dafür ist der Brand in der Steam Works Sauna im Februar 2017. Damals starben in den umgebauten, aber behördlich nicht abgenommenen Räumen, drei Menschen. Seitdem legt die Berliner Verwaltung besonderes Augenmerk auf den Brandschutz in Darkrooms.

Auflagen und Warten auf neue Genehmigungen machen den Location das Leben immer schwerer

Und das sorgt mitunter für Ächzen unter den Betreibern solcher Räumlichkeiten, die undurchsichtigen Kontrollvorgängen und mit bürokratischen Auflagen der Ämter zu kämpfen haben. So mussten die „Bösen Buben“, ein SM-Club an der Schöneberger Peripherie, seine Räumlichkeiten teuer umbauen, um den Vorgaben des Bau- und Stadtentwicklungsamtes Schöneberg zu entsprechen.

Das musste auch der BDSM-Verein „Quälgeist“ bemerken. Er hatte seine Location 29 Jahre lang am Mehringdamm – doch als der Vermieter begann, das Gebäude für teure Eigentumswohnungen herzurichten und zu sanieren, war den Vereinsmitgliedern klar, dass sie dort schon bald nicht mehr willkommen sein würden.

Doch auch in der neuen Location im Viertel Alt-Mariendorf musste der Verein den Veranstaltungsbetrieb bereits wieder einstellen. Grund dafür sind noch ausstehende Genehmigungen der Ämter. So muss das zuständige Stadtentwicklungsamt entscheiden, ob der Verein aufgrund der Widmung des Gebiets dort überhaupt Veranstaltungen anbieten darf. Außerdem müssen bautechnische und andere Auflagen erfüllt werden, unter anderem ist auch eine neue Ausschank-Lizenz erforderlich.

Zuvor wurden die Darkrooms im Nollendorfkiez kontrolliert – spätabens, bei vollem Betrieb

Bereits Ende März haben die Berliner Behörden mit Verweis auf den Brandschutz mehrere Darkrooms im Nollendorfkiez, dem Zentrum der schwulen Szene in Berlin, geschlossen. In der „Scheune“, einer Cruising-Bar in der Motzstraße, waren die Beamten mitten in der Nacht aufgetaucht, um den Darkroom im Keller amtlich zu versiegeln. Die Begründung hier: Bauliche Verstöße gegen die Brandschutzverordnung.

Warum allerdings die Ämter mit großer Mannschaft in die Lokale kommen müssen, um die baulichen Gegebenheiten während des Betriebs der Cruising-Bars und Sexclubs zu kontrollieren, bleibt allerdings ein Geheimnis der Berliner Bürokratie – die Betreiber hätten die Beamten sicher auch gerne tagsüber, wenn kein Nachtzuschlag für die Staatsdiener anfällt, durch ihre Räumlichkeiten geführt.