#TeenStarLeaks – Grüne Vana fordet Vereins-Verbot an Schulen

SPÖ und Grüne einig: Teenstar hat in der Aufklärung von Jugendlichen nichts verloren

Sujetbild: Schule
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Auch in der österreichischen Innenpolitik sorgen die Tätigkeiten des Vereins Teenstar nun für Empörung: Die christlich-konservative Vereinigung bietet „Aufklärungsworkshops“ in Volksschulen und Kurse für Jugendliche an, die den Zugang zu einer „ganzheitlicher Sexualität“ vermitteln sollen.

Doch interne Unterlagen, die der HOSI Salzburg zugespielt und jetzt im Falter veröffentlicht wurden, zeigen ein anderes Bild. Masturbation wird in den Kursen als Problem bezeichnet und Sex vor der Ehe sei zu vermeiden. Homosexualität wird in den Unterlagen als „Identitätsproblem“ bezeichnet, das „oft durch eine Kombination von Therapie, speziellen Selbsthilfegruppen und geschulter Seelsorge“ gelöst werden könne.

SP-Lindner: „Derart fragwürdige Workshops haben in Schulen absolut keinen Platz“

„Derart fragwürdige Workshops haben in Schulen absolut keinen Platz. Die Politik muss rasch handeln, wenn im ‚Aufklärungsunterricht’ beispielsweise von Homosexualität als Identitätsproblem gesprochen wird. Bei solchen Inhalten können und dürfen wir gerade im Umgang mit Kindern und Jugendlichen nicht wegschauen – die Schule muss ein sicherer Ort sein!“, ärgert sich Mario Lindner, Gleichbehandlungssprecher der SPÖ und Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBT-Organisation SoHo.

Ähnlich reagieren die Initatoren des Frauenvolksbegehrens: „Homosexualität als therapierbare Störung zu bezeichnen, war schon immer falsch und sollte 2018 nach der Öffnung der Ehe für alle, längstens überwunden sein. Ebenso wie die Verteufelung von Verhütungsmitteln und Masturbation. Schule muss ein sicherer Ort sein, deswegen hat christlich-fundamentalistische Missionierung hier nichts verloren. Es ist ein Skandal, dass Vereine wie TeenSTAR in Schulen ihre Agenda verbreiten durften und konnten“, so Projektleiterin Lena Jäger.

Auch Grüne EU-Europaparlamentarierin ist über den Inhalt der Unterlagen entsetzt

„Es ist unfassbar, dass an Österreichs Schulen reaktionäre Vereine tätig sein dürfen, die ganz offensichtlich zum Ziel haben, unsere modernen Werte gegen mittelalterliche Moralvorstellungen einzutauschen“ zeigt sich auch Monika Vana, Vizepräsidentin der Grünen im Europaparlament entsetzt: „Wer Homosexualität und Transidentität als Krankheit darstellt, eine Ehe nur als Verbindung zwischen Mann und Frau propagiert und Schwangerschaftsabbrüche dämonisiert, ist eine Gefahr für unsere Kinder und Jugendlichen.“

Vana ist sich sicher, dass der Verein klar gegen die EU-Grundrechtecharta verstoße, die jede Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ausdrücklich verbietet. „Das Bildungsministerium muss deshalb rasch eingreifen und die Tätigkeiten des Vereins untersagen“, fordert die Europaabgeordnete.

„Homo-Heilungen“ führen zu hörerer Suizidrate, warnt Grüne Bundesrätin Dziedzic

Auch, dass Teenstar behauptet, „dass eine anhaltende Veränderung der sexuellen Orientierung sehr wohl möglich ist“ sei, stößt den Politikern sauer auf. Denn entsprechende „Konversionstherapien“ werden von allen Fachverbänden abgelehnt, in Malta sogar mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Deshalb macht die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic klar: „Eine Umprogrammierung funktioniert nicht nur nicht, sie ist auch äußerst gefährlich. Die Suizidrate von homosexuellen Jugendlichen in Österreich ist sechsmal höher. An Schulen muss es deshalb Beratungsangebote und Antidiskriminierungs-Workshops geben sowie Anlaufstellen, die echte Unterstützung anbieten.“

„Derart unwissenschaftliche und falsche Aussagen haben weder in Schulen noch in der Jugendarbeit irgendetwas verloren. Sie wecken leider Befürchtungen, dass die Frage von Konversionstherapien, also der „Heilung von Homosexualität“, auch in Österreich brandaktuell sind“, ergänzt Lindner.

„Unterlagen werden laufend überarbeitet“, betont Teenstar

Der Verein Teenstar ist unter anderem in Oberösterreich, Niederösterreich, Salzburg und Südtirol aktiv. Wie die ZIB 2 gestern berichtete, wird das Bildungsministerium noch im November eine Anweisung an alle Landesschulräte herausgeben, nicht mehr mit Teenstar zusammenzuarbeiten. Der Verein lehre bedenkliche Inhalte, die nicht mit dem österreichischen Lehrplan in Einklang zu bringen seien, so das Ministerium.

Helga Sebernik, Leiterin von Teenstar Österreich, betont gegenüber dem Falter, dass die Unterlagen nicht aktuell seien und „laufend aktualisiert“ würden. Gegenüber Ö3 weist auch der Anwalt von Teenstar die Vorwärfe zurück und betont, dass es eine entsprechene Weisung des Ministeriums noch nicht gebe.

Die ausgewerteten Ausbildungsunterlagen, zwei Ordner mit mehreren hundert Seiten aus dem Jänner 2017, wurden der HOSI Salzburg von einer Whistleblowerin zugespielt.