Nach homophobem Kommentar: „Presse“ streicht Kolumnen von Martin Leidenfrost

Gleiche Rechte für Lesben und Schwule seien eine „exotische Ideologie“, schrieb der Journalist - jetzt zieht die Chefredaktion die Notbremse

Die Presse
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Österreichs bekannteste konservative Tageszeitung, Die Presse, verzichtet künftig auf die wöchentlichen Kolumnen des Journalisten Martin Leidenfrost. Das hat Chefredakteur Rainer Nowak nun bekanntgegeben. Der Journalist schrieb jeden Samstag den konservativen Kommentar „Der letzte Kreuzritter“.

Aufsehen über den Leserkreis der Zeitung hinaus erreichte Leidenfrost vor allem durch eine Kolumne im September, die nicht nur in der Journalistenszene als zutiefst homophob eingestuft wurde.

„In Latex gepresste Männerärsche“ als Fronleichnamsprozession unserer Zeit empörten den Journalisten

„Wo Gläubige früher durch die Straßen zogen, um den Leib Christi zu verehren, beten sie jetzt in Latex gepresste Männerärsche an“, schrieb Leidenfrost damals in einem Kommentar zum höchstrichterlichen Urteil, die Ehe ab 1. Jänner 2019 auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen: Lesben- und Schwulenparaden seien „die Fronleichnamsprozession des frühen 21. Jahrhunderts“.

Die Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs, die zur Ehe-Öffnung geführt hat, bezeichnet er als „einmalige Richterherrlichkeit“, die der Justizminister „tatenlos“ hinnehme. Gleiche Rechte für sexuelle Minderheiten seien zur „todernsten Staatsdoktrin“ verkommen, schwule oder lesbische Ehepaare zur „Ikone unserer Zeit“. Das Tempo, mit der sich diese „exotische Ideologie“ durchsetze, sei „erschreckend“, so Leidenfrost weiter.

Der Presserat prüft den Kommentar, die Presse zieht die Notbremse

Nun sieht sich der Presserat die Kolumne des Jounalisten etwas genauer an. Schließlich heißt es im dortigen Ehrenkodex, dem sich auch die Presse freiwillig verpflichtet hat, dass „Pauschalverdächtigungen und Pauschalverunglimpfungen von Personen und Personengruppen sind unter allen Umständen zu vermeiden“ seien.

Und auch, wenn es noch keine Entscheidung des Presserats gibt – für die Chefredaktion waren die Kolumnen offenbar nicht mehr tragbar. „Wir konnten uns mit Martin Leidenfrost nach laufenden Diskussionen über Form und Inhalt auf keine gemeinsame Linie für das Format einigen“, begründet Nowak den Lesern seine Entscheidung im Blatt.

Doch ganz müssen Fans von Martin Leidenfrost nicht auf ihn verzichten. Leidenfrosts „Reiseminiaturen“ werden weiterhin in der Wochenendbeilage Spectrum erscheinen, beruhigt sie Nowak. Vielleicht führen sie ihn ja demnächst in den Vatikan oder nach Saudi-Arabien. Dort soll es ja keine „in Latex gepresste Männerärsche“ geben.