Home News Chronik Roma-Clan wollte schwulen Priester mit angeblichen Sex-Fotos erpressen

Roma-Clan wollte schwulen Priester mit angeblichen Sex-Fotos erpressen

Die Gruppe dürfte sich auf ältere, leicht demente Schwule spezialisiert haben, so der Staatsanwalt

Priester
Symbolbild - Fotolia

Pikanter Prozess in der Schweiz: Zwei Slowaken sollen einen älteren Priester im Kanton Zürich erpresst sowie einen pensionierten Gemeindeschreiber ausgenommen haben – nun stehen sie dafür vor dem Bezirksgericht. Und die Tat soll kein Einzelfall sein: Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, soll hinter der Erpressung ein Roma-Clan stecken, der es systematisch auf ältere Schwule abgesehen hat.

Der Lebenspartner des Pfarrers reagierte schnell – doch da waren die Ersparnisse schon weg

Der Staatsanwaltschaft zufolge erpressten die beiden Männer den Pfarrer mit Bildern, die ihn beim Sex mit Männern zeigen sollen. Doch der Lebenspartner des Geistlichen reagierte geistesgegenwärtig: Er rief die Polizei, diese nahm die beiden Slowaken noch in der Wohnung des Priesters fest.

Doch zu diesem Zeitpunkt hatte der Geistliche schon alle seine Ersparnisse verloren, einen sechsstelligen Betrag. Denn die mutmaßlichen Täter haben zuvor Geld erbettelt, in dem sie dem Pfarrer akute Notlagen vorgaukelten.

Die erste Begegnung fand dabei vor der Türe des Pfarrhauses statt – er habe einen der beiden Slowaken aufgenommen und ihm zu essen gegeben, erfuhr das Gericht. Die Gutmütigkeit des Priesters wurde schamlos ausgenutzt: Während einer Abwesenheit ließ er sogar eine ganze Gruppe Roma im Pfarrhaus wohnen. Einer der Beschuldigten nutzte das, um die Kreditkarte samt PIN aus der Post zu fischen.

Der Geistliche hätte bezahlt, seine Existenz ist praktisch ruiniert

Und auch bei der mutmaßlichen Erpressung hätte der Pfarrer nachgegeben, obwohl er sich sicher war, dass es keine Bilder gebe, die ihm beim Sex zeigten. Der Geistliche sei trotzdem verängstigt gewesen, schildert der Lebenspartner vor Gericht.

Die Angst war begründet: Zwei  Monate vor der Festnahme hat einer der Angeklagten bereits versucht, den Mann zu erpressen – die Sekretärin hat damals mitgehört und den Fall gemeldet. Der Priester, der knapp vor der Pension stand, wurde von der Kirche freigestellt – neben seiner finanziellen Existenz scheint nun auch seine berufliche ruiniert.

Auch ein 79-Jähriger wurde zum Opfer der Bande

Im Zuge der Ermittlungen kam ein zweiter Fall ans Licht: Auch ein 79-jähriger pensionierter Gemeindeschreiber aus Appenzell Innerrhoden fiel auf die beiden Slowaken herein und gab ihnen hohe Geldsummen. Bei diesem Opfer dürfte der Gesamtschaden rund 300.000 Franken, etwa 260.000 Euro, betragen.

Dabei waren die beiden Männer kreativ, wenn es um die Geschichten ging, mit denen sie das Geld erbettelt haben. Einmal ging es um Alimente, dann um eine Dachreparatur – einmal sogar um eine angebliche Polizistenausbildung für den Sohn in der Heimat, der die Uniform selbst kaufen müsse. Ein Geschädigter schloss sogar Handy-Verträge für die Männer auf seinen Namen ab.

Schriftliche Beweise für die privaten Darlehen gibt es nicht. Die Verteidiger der beiden Männer dürften deshalb auch versuchen, die Beträge als Schenkungen darzustellen – auch, wenn beide Geschädigte dies explizit dementieren.

Die Gruppe dürfte sich auf ältere schwule Männer spezialisiert haben

Dem Staatsanwalt zufolge dürfte sich die Roma-Gruppe darauf spezialisiert haben, ältere, leicht demente schwule Männer auszunehmen. Mehrere Zeugen sagten, sie seien im Vorfeld von Anrufern mit slowakischen Nummern belästigt worden.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen Erpressung und gewerbsmäßigen Betrugs 40 Monate Freiheitsstrafe für den einen und 15 Monate sowie zusätzlich 15 Monate bedingt für den anderen Beschuldigten. Beide seien für fünf Jahre des Landes zu verweisen. Ein Urteil wird für die kommende Woche erwartet.

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