Kuba: Keine Öffnung der Ehe in der neuen Verfassung

Proteste der Kirche zeigten Wirkung - nun soll eine Volksabstimmung zu dem Thema abgehalten werden

Flagge von Kuba
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Kuba wird die Ehe nun doch nicht für schwule und lesbische Paare öffnen: In der neuen Verfassung des kommunistischen Landes wird die entsprechende Passage fehlen, berichten lokale Medien unter Berufung auf die Staatsführung.

So hieß es im ursprünglichen Entwurf der Verfassung in Artikel 68, dass die Ehe ein „freiwillig geschlossener Bund zwischen zwei Personen“ sei – ohne Unterschied des Geschlechts. Derzeit ist die Ehe der kubanischen Verfassung zufolge eine Verbindung zwischen Mann und Frau.

Die Kirche stellte sich gegen die Ehe-Öffnung – und die Kubaner folgten ihr

Allerdings gab es gegen die geplante Änderungen Proteste von Bürgern sowie der römisch-katholischen Kirche und evangelikalen Gemeinden, die auf Kuba immer größeren Zulauf erhalten. Die Kirchen starteten eine Kampagne gegen die geschlechtsneutrale Definition der Ehe in der Verfassung Kubas – mit Erfolg.

Artikel 68 sei bei den Debatten in den Stadtvierteln, Betrieben und Universitäten der am meisten diskutierte Teil der neuen Verfassung von Kuba gewesen, so die Nationalversammlung am Dienstag über Twitter. Dabei hätten von den 192.000 Meinungsäußerungen rund 158.000 gefordert, an der derzeitigen Formulierung, dass die Ehe ein „freiwilliger Bund zwischen einem Mann und einer Frau“ sei, festzuhalten.

Nun reagierte die Staatsführung auf die Proteste. So soll in der Verfassung auf eine genauere Definition der Ehe verzichtet werden, kündigte die Nationalversammlung an. Diese genauere Definition soll auf Gesetzesebene stattfinden. Innerhalb von zwei Jahren sollen Befragungen und ein Referendum zur Öffnung der Ehe in Kuba abgehalten werden.

Lange Zeit wurden Lesben und Schwule in Kuba verfolgt

Nach der kommunistischen Revolution von 1959 war Homosexualität in Kuba lange Zeit ein Tabuthema. Lesben und vor allem Schwule wurden angefeindet und als Feinde der Revolution in Arbeitslager gesteckt, stigmatisiert und vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen.

Das hat sich in den letzten Jahren geändert: So entschuldigte sich sogar Revolutionsführer Fidel Castro in seinen letzten Amtsjahren für die Verfolgung sexueller Minderheiten. Der neue kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel unterstützt die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare.