Puerto Rico: Offen schwuler Rapper Kevin Fret erschossen

Warum musste der Shooting Star des "Latin Trap" sterben?

Kevin Frat
Kevin Frat

Puerto Rico trauert um den offen schwulen Rapper Kevin Fret: Der 24-Jährige war am Donnerstag gegen 5.30 Uhr früh mit seinem Motorrad auf den Straßen der Stadt Santurce unterwegs, als acht Mal auf ihn geschossen wurde. Dabei wurde er schwer verletzt. Wenig später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen. Der Polizei zufolge trafen zwei Kugeln den Künstler, eine am Kopf und eine an der Hüfte.

Täter und Hintergründe der Tat sind nicht bekannt

Die Polizei sucht derzeit einen Mann auf einem Motorrad, der zum Zeitpunkt der Tat mit Fret unterwegs gewesen und vom Tatort geflüchtet sein soll. Er soll „weißen Teint“ und einen Schnurrbart haben. Ob er auch verdächtigt wird, den Rapper erschossen zu haben, ist nicht klar – genauso wie das Motiv für die Tat.

Ob der 24-Jährige sterben musste, weil er offen schwul lebte und sich für die Rechte sexueller Minderheiten in Puerto Rico einsetzte, ist unklar. Lokale Medien berichten auch über einen Verdacht auf Erpressung im Rahmen einer Auseinandersetzung mit einem anderen Künstler.

Als offen schwuler Künstler war Kevin Fret in seiner Heimat eine Provokation

Im katholisch-konservativen Puerto Rico war Kevin Fret ein Idol für die LGBT-Community: Er gilt als erster offen schwuler Sänger des Musikgenres „Latin Trap“, eine Unterkategorie von Hip-Hop, die auf der Karibik-Insel entstand und in den letzten Jahren in ganz Lateinamerika berühmt wurde. Seinen Durchbruch hatte er im April 2018 mit dem Song „Soy asi“, auf Deutsch „Ich bin so“.

„Es ist mir egal, was andere über mich sagen. Ich sehe junge Schwule oder Lesben, für die ich ein Vorbild geworden bin. Nach dem Motto: Wow, wenn der es schafft und es ihn nicht stört, was andere sagen, dann kann ich es auch schaffen“, sagte Kevin Fret in einem Interview selbst zu seiner Vorbildrolle.

Dass der 24-Jährige als offen schwuler Künstler in Puerto Rico lebte, bezeichnete der Schriftsteller und Aktivist Samy Nemir Olivares als „Akt des Widerstandes“: „Kevin Fret war nicht nur für seinen Musikstil bekannt, sondern auch für sein Image seine Geschlechtsidentität frei auszudrücken – in einem Land, in dem Schwule immer noch verspottet, gemobbt und getötet werden.“, so Olivares über Twitter: Frat repräsentierte „eine Hoffnung, einen erfrischenden Blick auf ein Musikgenre, das sehr homophob und chauvinistisch ist“.

„Kevin war eine Künstlerseele“, schreibt sein Manager

Sein Manager Eduardo Rodrigues appellierte an die Menschen im Land: „In diesen schweren Zeiten müssen wir jetzt zusammenhalten und für den Frieden in unserem geliebten Puerto Rico beten.“

„Kevin war eine Künstlerseele, ein Träumer mit einem großen Herz. Seine Leidenschaft war die Musik und er hatte noch so viel vor. Es gibt keine Worte dafür, die Gefühle und den Schmerz zu beschreiben, dass wir einen Mensch mit so vielen Träumen gehen lassen müssen“, Rodriguez weiter.

Puerto Rico gilt als äußerst gefährliches Pflaster. Fret sei bereits die 22. Person, die in dem nur 3,3 Millionen Einwohner zählenden US-Außengebiet seit Jahresbeginn ermordet worden sei, so die Polizei.