Der „Hafen“ in Berlin bleibt – zumindest für ein Jahr

Ernst gemeintes Angebot oder nur Verzögerungstaktik?

Hafen Berlin
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Der „Hafen“, eine der ältesten schwulen Bars in der Berliner Motzstraße, darf vorübergehend weitermachen: Das Lokal hatte im Dezember die Aufforderung erhalten, das Lokal bis 3. Jänner zu räumen. Stattdessen mobilisierte der „Hafen“ seine Fans und veranstaltete am Tag der vorgesehenen Räumung eine große Solidaritätsparty.

Neuer Chef, altes Lokal: Vermieter stimmt Gnadenfrist für den „Hafen“ zu

Nun ist der Vermieter, der eine andere benachbarte Schwulenbar betreibt, offenbar bereit, den Mietvertrag für maximal ein Jahr zu verlängern. Die Bedingung dafür lautet nach Informationen des Szenemagazins Siegessäule, dass nicht „Hafen“-Mitbegründer Ulrich Simontowitz das Lokal offiziell mietet, sondern dessen langjähriger Mitarbeiter Sebastian Pagel. „Wir haben signalisiert, dass wir uns darauf einlassen“, sagt Simontowitz gegenüber der Siegessäule. „Mir geht es nur darum, dass der Hafen weiterlebt, und bei Sebastian ist er in guten Händen.“

Wie es danach weitergeht, bleibt unklar. Denn der „Hafen“ bleibt vorerst Untermieter, Auf lange Sicht hätte das Lokal aber nur mit einem Hauptmietvertrag eine Chance, ohne unvorhergesehene Probleme weiterzubestehen. „Darauf hatten wir uns mit dem Eigentümer im letzten Februar ja eigentlich schon geeinigt“, so Simontowitz zur Siegessäule. „Deswegen war der plötzliche Räumungsbescheid ja so ein Schlag.“

Ziel des „Hafen“ ist nach wie vor ein Hauptmietvertrag

Er hofft, dass das aktuelle Angebot nicht nur einfach eine Hinhalte-Taktik des Vermieters ist. „Wir hoffen sehr, dass unsere Verhandlungspartner nicht nur abwarten wollen, bis sich die Empörung gelegt hat, um nach einem Jahr dann doch zu räumen“, sagt der bisherige Betreiber. Der „Hafen“ brauche eine langfristige Perspektive, betonte er gegenüber dem RBB.

Deshalb sei es wichtig, dass die Community solidarisch bleibe. „Es war unglaublich zu sehen, wie die Menschen hier für uns gekämpft haben“, so Simontowitz, der den „Hafen“ seit November 1990 betreibt: „„Ich bin sicher, dass vor allem deshalb beim Eigentümer ein Umdenken eingesetzt hat.“

Immer mehr schwule Locations in Berlin haben zu kämpfen

Der „Hafen“ ist nicht die einzige schwule Location in Berlin, die in den letzten Monaten mit Problemen zu kämpfen hat. Unter Verweis auf den Brandschutz mussten unter anderem die benachbarten Lokale „Tom’s Bar“ und „Scheune“ nach einem Besuch durch die Behörden ihre Darkrooms schließen. Mitte November fand dann im schwulen Sexclub Ajpnia mitten während einer Veranstaltung eine Kontrolle durch die Bau- und Gewerbeämter statt – begleitet von Polizisten in voller Montur.

Der SM-Verein „Quälgeist“ musste seine angestammte Location am Mehringdamm aus Gründen der Gentrifizierung aufgeben, um an einem neuen Ort in Alt-Mariendorf aufzusperren, fehlen dem Verein Genehmigungen, auf die er seit Monaten wartet. Ähnlich geht es den „Bösen Buben“, einem ähnlichen Verein: Er darf seine Räume weitere drei Jahre nutzen, muss dafür aber neue Auflagen erfüllen, die mit hohen Kosten verbunden sind

Die Betreiber der Szenelokale kritisierten in der Vergangenheit Auflagen der Ämter als zu hart und auch deren fehlende Sensibilität gegenüber solchen queeren Einrichtungen, die immer auch Schutzräume für Minderheiten sind.