Frau des US-Vizepräsidenten unterrichtet an Schule, die Homosexualität verbietet

Doch Karen Pence kann die Aufregung nicht verstehen

Karen und Mike Pence

Heftige Kritik gibt es in den USA an Karen Pence, Ehefrau des ultrakonservativen Vizepräsidenten Mike Pence. Sie hat wieder angefangen, an einer Schule zu unterrichten, in der es für Schüler sogar verboten ist, LGBT-Rechte zu unterstützen. Das berichtet die Huffington Post.

Eltern erlauben der Schule, ihre Kinder rauszuschmeissen, wenn sie Pro-LGBT sind

Die Immanuel-Christian-Schule in Springfield im US-Bundesstaat Virginia ist ein Vorposten der Evangelikalen. Die Schule als konservativ zu bezeichnen wäre eine Untertreibung. So müssen die Eltern von Schülern eine Einverständniserklärung unterschreiben, in der sie der Schule unter anderem das Recht geben, Schüler abzulehnen oder von der Schule zu verweisen, die „sexuelle Immoralität, homosexuelle Aktivitäten oder bisexuelle Aktivitäten betreiben, unterstützen oder befürworten“.

An der Schule dürfen sich nur Lehrer oder andere Mitarbeiter bewerben, die schriftlich erklären, „wiedergeborene“, also evangelikale Christen zu sein. Sie müssen auch im Privatleben „moralische Reinheit“ vorweisen und sich dazu verpflichten, die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau anzuerkennen.

Lehrer dürfen auch im Privatleben keine Pornos sehen oder außerehelichen Sex haben

Außerdem dürfen sie keinen vorehelichen, außerehelichen oder gleichgeschlechtlichen Sex haben. Auch das „Ansehen pornografischen Materials oder pornografischer Websites“ ist für Lehrer verboten, sogar im privaten Bereich. Transgender-Lehrer sind an der Immanuel-Christian-Schule ebenfalls nicht erwünscht.

Bekannt wurde die Schule wegen einer ihrer Lehrerinnen: Karen Pence, Ehefrau des Vizepräsidenten und damit Second Lady der USA. Die 62-Jährige unterrichtete bereits zwölf Jahre dort, als ihr Ehemann zwischen 2001 und 2013 Kongressabgeordneter in Washington war. Nun steigt sie wieder ein und wird bis zu zwei Mal pro Woche an der Grundschule Kunst unterrichten. Dass sie dies als Frau des Vizepräsidenten macht, wird als deutliches Zeichen an die religiöse Rechte gesehen – und dementsprechend deutlich kritisiert.

„Die Pences lassen keine Gelegenheit aus, um zu zeigen, dass sie nur einem Teil des Landes dienen“

Sarah Kate Ellis von der LGBT-Organisation GLAAD erklärte, es sei „bestürzend“, dass Pence eine Schule unterstütze, „die aktiv gegen LGBTQ-Schüler vorgeht – und zwar an einem Ort, an dem sich Schüler eigentlich sicher fühlen sollten“. „Die Pences scheinen nie eine Gelegenheit auszulassen, um zu zeigen, dass sie nur einem Teil des Landes dienen“, ärgert sich beispielsweise die LGBT-Organisation Human Rights Campaign (HRC).

Auch die Bürgerrechtsorganisation ACLU sprach von einer „schrecklichen Botschaft an Schüler“ und fragte demonstrativ: „Wollen wir in einem Land leben, in dem die Führer bereit sind, die LGBTQ-Jugend zu verleugnen?“ Sogar die republikanische LGBT-Gruppe Log Cabin Republicans geht auf Distanz: „Ich verteidige das Recht einer Schule, das zu tun, was sie für richtig hält“, erklärte Log-Cabin-Sprecherin Jerri Ann Henry: „Aber ich hoffe, dass Karen Pence klar ist, welche Auswirkungen ihre Entscheidung hat. Ich würde mir wünschen, dass sie sich anders entscheidet, und gerne mit ihr darüber reden, wie sie ein gutes Vorbild für alle Amerikaner sein kann, inklusive der LGBTQ-Staatsbürger.“

In einer offiziellen Erklärung ging Karen Pence zunächst überhaupt nicht auf die Kritik ein. Sie freue sich darauf, wieder in den Klassenraum zurückzukehren und zu tun, was sie liebe. Sie habe es vermisst, Kunst zu unterrichten, hieß es. Erst nachdem die Kritik immer stärker wurde, meinte ihre Sprecherin Kara Brooks, es sei absurd, dass Karen Pence Entscheidung und „die religiösen Ansichten der Schule“ attackiert werden.