Ungarns Staatsfunk warnt vor „Homo-Lobby“ und empfiehlt „Homo-Heilung“

So wird im Ungarn von Viktor Orbán über Homosexualität diskutiert

Kristóf Trombitás
Screenshot: M5

Dass die autoritäre Regierung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán kein großer Freund von LGBT-Rechten ist, ist bekannt. Doch nun erreicht die Propaganda gegen sexuelle Minderheiten einen neuen Höhepunkt: Im ungarischen Staatsfernsehen, das von der Regierung kontrolliert wird, wurde über die „Heilung“ von Homosexuellen und die „Propaganda der Schwulenlobby“ in Westeuropa diskutiert.

So widmete der Bildungs- und Kultursender M5 unter dem Titel „Zustand? Krankheit? Störung?“ eine ganze Sendung der Frage, wie man Homosexuelle heilen könne. In einem Einspieler hieß es, Homosexualität sei heute kein Tabu mehr – doch es gebe viele, „die zurück zur Heterosexualität finden wollen und nicht wissen, wie“.

„Homo-Heiler“ wollten aus Angst vor „Mainstream-Wissenschaftern“ nicht in die Öffentlichkeit

Die Sendung erklärte, dass es auf der ganzen Welt Ärzte, Psychiater und Psychologen gebe, die Homosexuelle „von dieser Krankheit“ befreien könnten. Allerdings trauten sie sich nicht vor die Kamera, weil sie dann von „Mainstream-Wissenschaftlern“ diskreditiert werden würden. Dass solche „Therapien“ wirkungslos, lebensgefährlich und in einigen Ländern wie Malta auch verboten sind, hat das ungarische Fernsehen natürlich verschwiegen.

In Ungarn spiele Homosexualität nur ein Mal im Jahr eine Rolle, hieß es in dem Film weiter: Nämlich bei der Budapest Pride. Die „aggressiven Exhibitionisten“, die bei der Veranstaltung zu sehen seien, würden einer sachlichen Debatte aber schaden, so der Staatsfunk weiter.

Bei der anschließenden Studiodiskussion bediente sich Moderator Kristóf Trombitás dem Prinzip „Zwei Stühle, eine Meinung“: Eingeladen waren nämlich der katholische Pfarrer András Hodász und Szilárd Szönyi, ein ehemaliger Journalist der rechtskonservativen Wochenzeitung Heti Válasz.

Eine britische Anwältin beklagt die „Homo-Lobby“ und lobt die „Meinungsfreiheit“ in Ungarn

Dem entsprechend erklärte Szönyi, Homosexualität sei im Westen eine „zu begrüßende, positive, fast gewünschte Verhaltensweise“, in einem weiteren Einspieler erklärte eine britische Anwältin, wer die Agenda der „Schwulenlobby“ nicht akzeptiere, werde dafür in Großbritannien bestraft. Dafür lobte die Frau die – nach internationalen Kriterien nur spärlich vorhandene – Meinungsfreiheit in Ungarn.

Moderator Trombitás stellte die Frage, ob „bestimmte Organisationen sogar Interesse daran hätten, dass jene zumeist jungen, in ihrer Sexualität verunsicherten Menschen, die nicht wissen, wie es weitergehen soll, eher auf die Seite der Homosexualität kippen, als auf die der Heterosexualität“ – und der Pfarrer erklärte, die Menschen „suchen einfache Antworten“.

Die Sendung zeigt, wie sich das Klima in Ungarn unter Regierungschef Viktor Orbán gedreht hat. Zwar haben sich auch vorher Mitglieder seiner Fidesz-Partei homosexuellenfeindlich geäußert, doch das wurde bis jetzt als Einzelmeinung abgetan. Auch wirft die EU der ungarischen Regierung vor, sexuelle Minderheiten zu diskriminieren.