Freitag, 12. Juli 2024
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Kirche hat Ehe-Öffnung „schon lange akzeptiert“, sagt Kardinal Schönborn

Die Meinung des Kardinals hat sich innerhalb von drei Monaten um (fast) 180 Grad geändert

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Erneut äußert sich der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn relativ wohlwollend zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. In einem Interview mit der deutschen Illustrierten stern gibt er sich für einen hochrangigen Würdenträger der römisch-katholischen Kirche verhältnismäßig liberal.

Schönborn findet das Streben gleichgeschlechtlicher Paare nach der Ehe „persönlich berührend“

„Persönlich finde ich es berührend, dass sich in einer Zeit, in der die Ehe an Strahlkraft verliert, gleichgeschlechtlich empfindende und lebende Paare diese Höchstform der Partnerschaft wünschen“, sagte er gegenüber dem stern. Seine Überzeugung sei dennoch, dass die Ehe „für Mann und Frau ist – jene Beziehung aus der neues Leben entstehen kann“, betont Schönborn.

Allerdings „haben wir schon lange akzeptiert“, dass der Staat eine andere Form der Ehe zulasse. „Wenn eine parlamentarische Mehrheit es will, soll der Staat es bitte so machen“, so der Kardinal pragmatisch.

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich Schönborn seinem Amt entsprechend recht wohlwollend zur Öffnung der Ehe äußert, die in Österreich vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) angestoßen wurde. Bereits gegenüber dem ORF Vorarlberg sagte Schönborn Anfang Jänner, es sei erstaunlich, dass sich gleichgeschlechtliche Paare „unbedingt wünschen, dass ihre Partnerschaft als Ehe bezeichnet wird“. Auch, wenn er mit dieser Entwicklung nicht einverstanden sei, sei sie „ein starkes Zeichen dafür, dass die Ehe eben doch etwas sehr Kostbares ist“.

Noch im Oktober forderte Schönborn die Bundesregierung auf, die Ehe nicht für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen

Diese Position hatte Schönborn nicht immer: Noch im Oktober 2018 forderte er die Bundesregierung auf, die VfGH-Entscheidung zur Öffnung der Ehe „so umzusetzen, dass es keine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung mehr gibt und trotzdem die Unverwechselbarkeit der Ehe bleibt – in ihrer Doppelfunktion des öffentlichen Gelöbnisses und der Sicherung der Generationenfolge durch Mann und Frau“.

Das Höchstgericht habe „den Bezug auf Mann und Frau gestrichen, aber stehen gelassen, dass das Paar gemeinsam Kinder zeugen will. Da bleibt ein Widerspruch“, so Schönborn damals gegenüber der katholischen Kirchenzeitung Sonntag. Auch warnte er vor der Leihmutterschaft als Alternative für schwule Paare: Es sei „eine Entwürdigung der Frau, die verzweckt wird, um den Kinderwunsch anderer zu erfüllen“.

Der Missbrauch von Minderjährigen durch Priester ist für sie „eine Gefahr für das ewige Leben“

In dem Interview mit dem stern äußert sich Schönborn auch über die Missbrauchsfälle in der römisch-katholischen Kirche – die auch von seinem direkten Vorgänger Hans-Hermann Groer begangen wurden. Diesen bezeichnet er als „in vielerlei Hinsicht großartigen Mann. Ein Mensch definiert sich nie ausschließlich über seine Schuld.“

Auf die Frage, ob Priester, die Minderjährige sexuell missbraucht haben, in die Hölle kommen, antwortet Schönborn: „Ich muss das mit allem Ernst sagen: Es ist natürlich eine Gefahr für das ewige Leben. Wenn jemand das Leben von jungen Menschen massiv beschädigt und verletzt, der muss sich fragen, wie er einmal vor seinen Gott treten will.“