Vergewaltigungsvorwürfe: Countertenor David Daniels und Ehemann festgenommen

Das mutmaßliche Opfer wachte nackt auf und blutete aus dem Anus

David Daniels und Scott Walters
Washtenaw County Jail

In den USA ist Opernsänger David Daniels, einer der renommiertesten Countertenöre der Welt, festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit seinem Ehemann Scott Walters einen damals 23-jährigen Opernsänger vergewaltigt zu haben. Das Paar bestreitet die Vorwürfe, es gilt die Unschuldsvermutung.

Das Paar wurde in der Nähe von Detroit im US-Bundesstaat Washington festgenommen, wo Daniels auch als Universitätsprofessor lehrt. Die dortigen Behörden nahmen die beiden Männer auf Grund eines Haftbefehls aus Houston im US-Bundesstaat Texas fest, wie die New York Times berichtete.

Als der 23-Jährige aufwachte, war er nackt und blutete aus dem Rektum

Dort soll sich der Vorfall ereignet haben: Baritonsänger Samuel Schultz hat dem Paar im August vorgeworfen, sich im Jahr 2010 an ihm vergangen zu haben. Er habe die beiden Männer bei einer After-Show-Party von Händels „Xerxes“ an der Oper von Houston kennengelernt.

Dann haben sie Schultz in ihr Apartment eingeladen. Dort wurde er nach einem Drink ohnmächtig. Als er wieder aufwachte, war er alleine, nackt und blutete aus dem Rektum. Als das Paar kurz darauf zurückkam, soll Daniels gemeint haben, er müsse sich über den Bareback-Sex keine Sorgen machen, er sei „total negativ“.

Dem schwulen Ehepaar drohen bis zu zehn Jahre Haft

Im Fall einer Verurteilung drohen dem 52-jährigen David Daniels und seinem Ehemann Scott Walters in Texas eine Haftstrafe von zwei bis zehn Jahren. Das Paar ist seit 2014 verheiratet, die Trauungszeremonie nahm die liberale Höchstrichterin Ruth Bader-Ginsburg vor.

Das Ehepaar weist die Anschuldigungen zurück. „So viel Aufmerksamkeit hätte er durch seinen Gesang niemals bekommen, und er weiß das und ist darüber verärgert“, ließ das Paar über seinen Anwalt ausrichten. Schultz sei kein Opfer, er hätte „acht Jahre gewartet, um über einvernehmlichen Sex unter Erwachsenen zu klagen, um die ‚#MeToo‘-Bewegung bis zur unverdienten Berühmtheit auszunutzen“.

Für die Polizei von Houston sind die Anschuldigungen glaubwürdig

Diese Meinung teilt die Polizei von Houston nicht: Im Zuge der Ermittlungen wurde Schultz als „glaubwürdig und verlässlich“ eingestuft, erklärte ein Beamter. Er habe sich auch mit einem Therapeuten getroffen, den Schultz nach dem Vorfall 2010 aufgesucht hatte, und dessen Notizen deckten sich mit seinen Aussagen vor der Polizei. Auch habe er nach dem Vorfall medizinische Hilfe gesucht, davon gebe es ebenfalls Aufzeichnungen.

Auch hat sich ein zweites mutmaßliches Opfer gemeldet. Im Oktober behauptete Daniels ehemaliger Student Andrew Lipian, der Countertenor habe ihn ebenfalls mit Drogen willenlos gemacht, um Sex mit ihm zu haben. Lipian verklagte sowohl den Sänger als auch die Universität von Michigan.

David Daniels ist in der Opernwelt dafür bekannt, Stimmlagen zu erreichen, die einst nur Kastratensängern und Mezzosopranen vorbehalten waren. Wegen der Vorwürfe hat die Oper von San Francisco Daniels bereits im November von einer Produktion von Händels „Orlando“ ausgeschlossen.