Gewalt gegen sexuelle Minderheiten: Fast ein Viertel mehr Anzeigen

Doch noch immer werden viele Verbrechen nicht angezeigt - auch das muss sich ändern, fordern die deutschen Grünen.

Polizei
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Im letzten Jahr ist die Zahl der Gewalttaten gegen sexuelle Minderheiten in Deutschland um fast ein Viertel gestiegen. Das geht aus nun veröffentlichten Zahlen des Bundesinnenministeriums hervor. So wurden letztes Jahr 91 LGBT-feindliche Straftaten gemeldet, im Jahr zuvor waren es 74. Die Dunkelziffer dürfte allerdings auch hier weit höher liegen. Für Österreich werden solche Daten übrigens nicht erhoben.

Zahl der gemeldeten Straftaten bleibt stabil, Zahl der Gewalttaten steigt

Die aktuellen Zahlen gehen aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws hervor. Insgesamt fielen letztes Jahr 313 politisch motivierte Straftaten in das Unterthema „Sexuelle Orientierung“, genauso viele wie im Jahr zuvor. Unter diesem Begriff werden alle Straftaten gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle, transgeschlechtliche Menschen und Intersexuelle erfasst. Allerdings kann sich die Zahl für 2018 durch Nachtragsmeldungen noch erhöhen. Insgesamt konnte die Polizei 192 Tatverdächtige ermitteln.

Für die Grünen sind die Zahlen ein Grund, eine Präventationsstrategie gegen Hassverbrechen an LGBT zu fordern. „313 homophobe und transphobe Straftaten sind 313 zu viel. Und jede macht mich fassungslos und wütend“, so Schauws, die queerpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist. Die Bundesregierung schaue seit Jahren zu: „Von politischer Seite brauchen wir dringend einen bundesweiten wirksamen Aktionsplan für die Vielfalt und gegen Homo- und Transphobie mit konkreten Maßnahmen“, fordert sie.

Grüne kritisieren Bundesregierung und fordern Präventionsstrategie gegen Hassverbrechen

In Wirklichkeit dürfte es aber viel mehr Übergriffe auf sexuelle Minderheiten geben – auch unter den angezeigten Taten. Denn die einzelnen Bundesländer erhaben homo- und transphobe Straftaten recht unterschiedlich. So kommt fast die Hälfte aller Meldungen aus Berlin, während andere Bundesländer fast keine Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten melden.

Die Grüne Bundestagsabgeordnete möchte auch die Dunkelziffer bei diesen Verbrechen verkleinern. Denn noch immer trauten sich einige Betroffene nicht, „überhaupt Straftaten anzuzeigen“, so Schauws. Deshalb will sie die Polizei entsprechend schulen lassen, „um solche Straftaten und deren menschenverachtenden Charakter zu erkennen und die Opfer mit entsprechender Sensibilität zu behandeln“.