Bilal Hassani: Hass und Drohungen gegen französischen Song-Contest-Kandidaten

"Es stört viele, dass meine Eltern in Marokko geboren wurden und dass ich schwul bin" - jetzt hat er Anzeige erstattet

Bilal Hassani
Screenshot: France Television

Bilal Hassani, Frankreichs androgyner Kandidat für den Eurovision Song Contest, polarisiert derzeit das Land: Der 19-jährige Schwule mit marokkanischen Wurzeln wird mit homophoben und rassistischen Beleidigungen konfrontiert – nun wehrt er sich.

Mit seinem Lied „Roi“ bekam Hassani ein Drittel der Telefon-Stimmen

Mit seinem wechselweise auf Englisch und Französisch gesungenen Lied „Roi“ hat sich Hassani am 26. Jänner für den Song Contest qualifiziert. Dabei holte er rund ein Drittel der Telefon-Stimmen. „Wenn ich träume, bin ich ein König“, heißt es in dem Lied, mit dem er für Toleranz werben will.

Doch das scheint nicht bei jedem angekommen zu sein. Nach seinem Sieg habe es in Sozialen Netzwerken eine „Lawine“ des Hasses gegeben, erinnert sich Hassanis Anwalt Etienne Deshoulieres. Nun werde der Musiker mit marokkanischen Wurzeln als „Pädophiler“ oder als „Schande“ für Frankreich oder den Islam beschimpft.

Innerhalb weniger Tage gab es allein auf Twitter mehr als 1.500 Beleidigungen und Drohungen

Die Organisationen „SOS Homophobie“ und „Urgence Homophobie“ haben letzte Woche bekanntgegeben, dass man allein bei Twitter über 1.500 Einträge mit Beleidigungen, diskriminierenden Äußerungen und Bedrohungen gezählt habe.

Mittlerweile hat Hassani Anzeige wegen Beleidigung, Aufruf zu Hass und Gewalt und homophober Drohungen erstattet. „Ich bin stolz darauf, Frankreich zu vertreten. All das trifft mich, es tut mir weh, es betrübt mich, aber ich bin noch entschlossener, auf all diesen Hass zu reagieren“, sagte Hassani nun in einem Interview mit der französischen Zeitung „Le Parisien“: „Es stört viele, dass meine Eltern in Marokko geboren wurden und dass ich schwul bin – das kann man nicht leugnen“, fasst er den Hass gegen seine Person zusammen.

Conchita ist sein großes Vorbild

Bilal tritt mit wasserstoffblonden schulterlangen Haaren und Make-up auf. Zu seinen großen Vorbildern zählt Conchita, die mit der Ballade „Rise Like A Phoenix“ 2014 den Song Contest in Kopenhagen gewonnen hatte. Mit einer Coverversion dieses Lieds, die er bei „The Voice Kids“ sang, wurde er bekannt.

Im Juni 2017 hat sich Bilal Hassani am Vorabend der Paris Pride als schwul geoutet. Für das Magazin Tetu ist er einer der „30 LGBT+, die Frankreich bewegen“ und eine „Ikone für die französische LGBT+-Jugend“. Bei Instagram hat er 390.000 Follower, auf YouTube folgen dem 19-Jährigen 790.000 Menschen.

Und Hassani ist nicht die einzig queere Person, die dieses Jahr beim Song Contest mitmacht. So schicken die Niederlande den offen bisexuellen Sänger Duncan Laurence, für Australien geht die Drag Queen Courtney Act in die nationale Vorentscheidung. Weitere Überraschungen sind nicht ausgeschlossen.

Letztes Jahr hat die israelische Sängerin Netta mit „Toy“ den Bewerb gewonnen. Er findet deshalb von 14. bis 18. Mai in Tel Aviv statt, Frankreich hat einen Fixplatz im Finale.