Serbien: Lebensgefährtin von Ministerpräsidentin Brnabić brachte Kind zur Welt

Die Regierungschefin sagte deshalb kurzfristig eine Reise nach Brüssel ab

Ana Brnabic
NALED

Familienzuwachs bei der serbischen Premierministerin Ana Brnabić: Ihre Partnerin, die Ärztin Milica Đurđić, hat am Mittwoch in einem Belgrader Spital einen Sohn zur Welt gebracht. Das berichtet die serbische Boulevardzeitung Blic.

Wegen der Geburt des kleinen Igor hat Brnabić eine Reise nach Brüssel abgesagt

Die serbische Öffentlichkeit hat erst vor wenigen Wochen von der Schwangerschaft und der damit verbundenen künstlichen Befruchtung erfahren. Den Eingriff ließ Brnabićs Lebensgefährtin im Klinischen Zentrum der Hauptstadt durchführen, wo sie auch selbst als Ärztin arbeitet. Der Sohn des lesbischen Paares soll den Namen Igor tragen.

Brnabić hat wegen der Geburt des Kindes kurzfristig ihre geplante Reise nach Brüssel abgesagt. Aus ihrem Kabinett hieß es zunächst, die Reise wurde aufgrund „anderer Verpflichtungen“ der Ministerpräsidentin abgesagt. Mittlerweile wurde die Geburt des Kindes offiziell bestätigt, Mutter und Kind seien wohlauf.

Trotz lesbischer Regierungschefin fristen LGBT-Rechte in Serbien ein Schattendasein

Ana Brnabić ist die erste serbische Amtsträgerin, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennt. Seit 2017 ist sie Ministerpräsidentin des Balkan-Staates, ein Jahr zuvor war sie ale Ministerin ins Kabinett geholt worden. Obwohl offiziell parteilos gilt sie als eine der engsten Vertrauten von Präsident Aleksandar Vučić.

Trotz der sexuellen Orientierung der Regierungschefin ist Serbien nicht gerade ein Vorzeigeland, wenn es um die Rechte queerer Menschen geht: So ist Homosexualiät in dem Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung orthodoxe Christen sind, vielfach noch ein Tabu. Legalisiert wurde sie erst im Jahr 1994. Für schwule und lesbische Paare gibt es weder eine Eingetragene Partnerschaft noch eine Ehe – diese ist in der Verfassung auf heterosexuelle Paare beschränkt.

Die Fortschritte für die Community sind in Serbien eher klein: So gilt es als Erfolg, dass 2017 wieder die Belgrade Pride stattfinden konnte – mit Brnabić an der Spitze. Ihre Meinung zur gesetzlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare wollte sie bei dieser Gelegenheit aber nicht öffentlich machen – weil sie als Ministerpräsidentin die serbische Regierung vertrete.