LGBT-freundliche Reiseländer: Österreich auf Platz 4

Jahrelange ÖVP-Blockade verhinderte Platz am Stockerl

Paar am Strand
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Die LGBT-freundlichsten Reiseländer der Welt sind Kanada, Portugal und Schweden. Das ist das Ergebnis des „Spartacus Gay Travel Index“, der nun veröffentlicht wurde. Besonders erfreulich: Österreich liegt in diesem Ranking auf Platz 4, gemeinsam mit vielen anderen europäischen Ländern. Deutschland ist hingegen auf den 23. Platz abgestürzt, die Schweiz liegt mit Rang 17 nur knapp davor.

Öffnung der Ehe brachte Österreich nach vorne

Die Öffnung der Ehe durch den Verfassungsgerichtshof hat Österreich dabei nach oben katapukltiert. Den Spitzenplatz haben wir wegen der mangelhaften Anti-Diskriminierungs-Gesetze verpasst: Die seit Jahren andauernde Weigerung der ÖVP zum „Levelling Up“ hat Österreich jenen Punkt gekostet, mit dem unser Land zu den drei Erstplatzierten aufgeschlossen hätte.

„Insgesamt verbessert sich die Situation für queere Reisende weltweit langsam, aber stetig. Wir beobachten in den Top 40 kleine Verschiebungen auf einem hohen Akzeptanzniveau“, erklärt Christian Knuth dem Nachrichtenmagazin Spiegel. Er hat für den Index insgesamt 197 Länder und Regionen untersucht.

Homosexualität legalisiert: Indien ist der Aufsteiger des Jahres

Zu den Aufsteigern des Jahres zählt unter anderem Indien: Die Entkriminalisierung von Homosexualität und das verbesserte gesellschaftliche Klima sorgen für eine Verbesserung von Platz 104 im Vorjahr auf Platz 57 im aktuellen Index. Verschlechtert hat sich die Lage hingegen unter anderem in Brasilien und den USA. Die Gründe dafür sind rechtskonservative Regierungen, die damit verbundene Verschlechterung der rechtlichen Lage und der Anstieg von Gewalt gegen sexuelle Minderheiten.

Auch Deutschland zählt dieses Jahr zu den großen Verlierern des Spartacus Travel Index. War unser nördlicher Nachbar im Vorjahr noch auf dem dritten Platz, landet er nun mit Rand 23 im unteren Drittel der EU-Staaten. Wie der Spartacus erklärt, liegt dieser Absturz am Fehlen einer modernen Gesetzgebung gegenüber Trans- und Intersexuellen sowie eines Aktionsplans gegen homophobe Gewalt.

Naher Osten und Kaukasus für queere Reisende am gefährlichsten

Zu den gefährlichsten Ländern für queere Reisende gehören auch 2019 Saudi-Arabien, der Iran, Somalia, Jemen, die Vereinigten Arabischen Emirate, Lybien, Afghanistan sowie die russische Teilrepublik Tschetschenien, in denen sexuelle Minderheiten massiv verfolgt und mit dem Tod bedroht werden.

Der Spartacus Gay Travel Index wird anhand von 14 Kriterien in drei Kategorien erstellt. Die erste Kategorie bilden Bürgerrechte, wie die Öffnung der Ehe oder ein einheitliches Schutzalter für hetero- und homosexuelle Kontakte. Die zweite Kategorie umfasst Diskriminierungen wie Reisebeschränkungen für HIV-Positive oder das Verbot von Pride-Paraden. In der dritten Kategorie wird die Gefährdung von sexuellen Minderheiten beurteilt, beispielsweise durch Verfolgung, Gefängnis oder die Todesstrafe.

Zu den ausgewerteten Quellen gehören unter anderem die Berichte der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“, die UN-Kampagne „Free & Equal“ sowie laufend gesammelte Informationen über Menschenrechtsverletzungen gegenüber Angehörigen sexueller Minderheiten.