Evangelische Kirche ringt um Ehe-Öffnung

Eheringe
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Wird auch die evangelische Kirche A. B. in Österreich die Ehe für schwule und lesbische Paare öffnen? Das soll eine Sondersitzung der Synode am Samstag klären – und obwohl es in vielen Pfarren Unterstützung für die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare gibt, fühlen sich die Hardliner im Aufwind.

Hardliner sehen einen „Kompromiss“ – was ein Nein zur Gleichstellung bedeutet

Die Zeichen stünden auf Kompromiss, erklärt der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner, der gegen die Öffnung der Ehe ist – das würde gegen eine kirchliche Gleichstellung sprechen. Anders sein niederösterreichischer Kollege, der offen schwule Superintendent Lars Müller-Marienburg: Er sieht einen Kompromiss „an dieser Stelle fast unmöglich“.

Von den 170 Stellungnahmen, die zum Umgang mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aus den evangelischen Pfarrgemeinden in Österreich eingelangt seien, würden sich 110 für die Möglichkeit einer Trauung aussprechen, erklärt Müller-Marienburg im Kurier.

Etwa 110 der 170 Stellungnahmen sind für Trauungen – trotzdem könnten sie nicht kommen

„Diese sagen teilweise leidenschaftlich und mit völliger Klarheit: Das muss auf jeden Fall kommen. Das ist theologisch richtig und entspricht unserem Kirchenbild. Auf der anderen Seite wurde mit der gleichen Leidenschaft und mit aller Kraft dagegen gevotet“, so der niederösterreichische Superintendent.

Einer dieser Gegner ist sein Amtkollege im Westen: „Wenn der Staat jetzt einseitig etwas ändert, heißt das noch lange nicht, dass wir automatisch mitgehen können und müssen, sondern diese Änderung zwingt uns nachzudenken, ob wir diesen Weg mitgehen können. Und ich bin der Meinung, dass das nicht möglich ist“, erklärt Lehner gegenüber dem ORF Oberösterreich.

Die Gegner argumentieren mit der Bibel, die Befürworter auch

Er begründet seine Ablehnung mit der Bibel: „Wir finden dann natürlich auch im Neuen Testament bei Jesus selbst die Antwort, dass er sagt ‚Habt ihr nicht gelesen wie Gott das am Anfang gemeint hat, der den Menschen schuf als Mann und Frau‘ – der sie eben zueinander hin geschaffen“, so der oberösterreichische Superintendent.

Die Befürworter der Trauung würden mit der grundlegenden Barmherzigkeit Jesu argumentieren, erklärt die evangelische Theologin Jutta Henner im Gespräch mit Ö1. Diese Bamherzigkeit biete auch eine „Option für Randgruppen und Bereitschaft, aus Menschenfreundlichkeit auch Regeln außer Kraft zu setzen“.

Wahrscheinlich bleibt für schwule und lesbische Paare nur eine Segnung

Das Resultat könnte ein Kompromiss sein: Die Trauung würde in der evangelischen Kirche A. B. nach wie vor nur heterosexuellen Paaren offenstehen, für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die auf Treue, auf Verlässlichkeit und auf Dauer angelegt sind, gäbe es eine Segnung.

Für Müller-Marienburg wäre ein solcher Kompromiss schmerzhaft – weil er „aus der Sicht der Lesben und Schwulen und aus meiner eigenen Sicht eben doch sagt: Ihr seid eben doch nicht ganz dabei und doch nicht ganz gleichwertig“.