Evangelische Kirche: Keine Trauung für gleichgeschlechtliche Ehepaare

Hardliner setzen sich durch, die Gleichstellung bleibt kurz vor der Ziellinie stehen

Lutherrose
Symbolbild - Archiv

Die evangelische-lutherische Kirche in Österreich segnet künftig schwule und lesbische Paare in einer öffentlichen Zeremonie. Das hat eine Sondersynode am Samstag beschlossen. Die Trauung bleibt aber nach wie vor heterosexuellen Paaren vorbehalten. Damit haben sich die Hardliner in der Kirche durchgesetzt.

So stimmten die Delegierten mit einer Mehrheit von 45 zu 18 Stimmen dafür, gleichgeschlechtlichen Paaren eine Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst zu ermöglichen. Voraussetzung dafür sei eine standesamtlich geschlossene Ehe.

Schwule und lesbische Paare gelten nur als „eheähnlich“, darum ist die Segnung keine Trauung

Damit gibt es in der evangelischen Kirche A. B. künftig anlässlich der Eheschließung von heterosexuellen Paaren die Trauung als Dank- und Segnungsgottesdienst. Den gibt es auch anlässlich einer vor dem Staat geschlossenen gleichgeschlechtlichen Ehe, die für die Kirche aber nur als „eheähnlich“ gilt, deshalb ist dieser Gottesdienst keine Trauung.

Die einzelnen Pfarrgemeinden müssen außerdem zuvor beschließen, dass sie diese Dank- und Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare durchführen. Zusätzlich werde „die individuelle Gewissensentscheidung von Pfarrerinnen und Pfarrern, Lektorinnen und Lektoren für oder gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare respektiert“, betonte die Synode.

Für eingetragene Partnerschaften wird es die öffentliche Segnung im Gottesdienst nicht geben, ihnen steht wie bisher die Segnung im seelsorgerlichen Rahmen offen.

Für den Bischof ist die Einigung ein „wesentlicher Schritt“

Die Protestanten haben auch festgehalten, dass sie am „Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“. Begründet wird diese Position mit der Heiligen Schrift und dem kirchlichen Bekenntnis, so der Beschluss der Synode.

Der evangelische Bischof Michael Bünker sieht in dem Beschluss einen „wesentlichen Schritt in Richtung Gleichberechtigung homosexueller Paare“. Er sei damit zufrieden, der Kompromiss verdiene großen Respekt.

Die Hardliner bei den Protestanten waren in der Minderheit – und haben sich durchgesetzt

Dabei sollte eigentlich die Trauung, wie es sie für heterosexuelle Paare gibt, für gleichgeschlechtliche Ehepaare geöffnet werden. Nach intensiven Debatten stimmte die Synode im Dezember dafür, die 194 lutherischen Pfarrgemeinden zu diesem Thema zu befragen.

Dabei dürfte sich auch ein Großteil dieser Pfarrgemeinden für eine Öffnung der Trauung ausgesprochen haben. Von den 170 Stellungnahmen würden sich 110 für die Möglichkeit einer Trauung aussprechen, erklärte der offen schwule Superintendent von Niederösterreich, Lars Müller-Marienburg, letzte Woche im Kurier.

Bei der reformierten Kirche und in vielen deutschen Landeskirchen ist die Trauung möglich

In Deutschland ermöglichen sieben von 20 evangelischen Landeskirchen die Trauung, in zehn weiteren gibt es eine Segnung, die zum Teil einer Trauung gleichgestellt ist. Die Evangelische Kirche H. B. in Österreich segnet gleichgeschlechtliche Partnerschaften bereits seit 1999.

Für Moritz Yvon, Obmann der HOSI Wien, ist die Entscheidung der Synode ein „Schritt in die richtige Richtung“, und man solle den Beschluss auch nicht kleinreden. Er schränkt allerdings ein: „Es ist aber schade, wenn die evangelische Kirche einen richtigen Schritt macht, dabei aber so inkonsequent ist und keine vollständige Verheiratung und Anerkennung ermöglicht“