Bolsonaro bei Trump: Gemeinsam gegen LGBT-Rechte

Beim Kampf gegen Rechte für sexuelle Minderheiten stehen die beiden Präsidenten "Seite an Seite"

Donald Trump und Jair Bolsonaro
Screenshot: PBS

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat zum ersten Mal seinen US-amerikanischen Kollegen Donald Trump besucht. Ein Thema, bei dem sie sich schnell einig waren: Die Beschneidung von Rechten für sexuelle Minderheiten. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz erklärte Bolsonaro, die beiden Länder stünden „Seite an Seite“ bei der Ablehnung von LGBT-Rechten.

„Traditionelle Familienwerte“ statt „Gender-Ideologie“

„Abschließend möchte ich sagen, dass Brasilien und die Vereinigten Staaten Seite an Seite in ihren Bemühungen stehen, Freiheit zu garantieren, traditionelle Familienwerte und den Respekt vor Gott, unserem Schöpfer, gegen die Gender-Ideologie, Political Correctness und Fake News“, so Bolsonaro auf der Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses.

Allerdings: „Respekt für traditionelle Familien bedeutet Respektlosigkeit gegenüber LGBTQ“, entschlüsselt die anerkannte Washington Post die Phrasen des brasilianischen Präsidenten. Präsident Trump, der neben seinem brasilianischen Kollegen stand, scheint das wenig zu kümmern. Er lächelte während dieser Worte süffisant. Ihm gefielen Bolsonaros Worte. „Ich bin sehr stolz zu hören, dass der Präsident den Begriff Fake News verwendet“, freute er sich in seiner Stellungnahme.

Schon im Wahlkampf wollte Bolsonaro die Ehe-Öffnung bekämpfen

Bolsonaro ist ein bekennender Homo-Hasser. So hat er im Wahlkampf angekündigt, die seit 2013 geltende landesweite Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare wieder rückgängig zu machen. Im Jahr 2002 meinte er in einem Interview, wenn er auf der Straße zwei Männer sehe, die sich küssten, würde er sie verprügeln.

Nicht einmal eine Woche nach seinem Amtsantritt zum Jahreswechsel hat er begonnen, die Rechte sexueller Minderheiten zu beschneiden: In einer seiner ersten Verordnungen hat der rechtsgerichtete Präsident verfügt, dass LGBT-Fragen nicht mehr in die Zuständigkeit des Menschenrechtsministeriums fallen, das zu einem „Ministerium für Frauen, Familien und Menschenrechte“ umgestaltet wurde. Auch keine andere Stelle kümmert sich seitdem um den Schutz sexueller Minderheiten.

Wegen Volksverhetzung wirde Bolsonaro schon einmal verurteilt

Im Jahr 2011 erklärte Bolsonaro, dass seine Kinder nie einen schwulen Sohn zur Welt bringen würden, weil sie eine „gute Erziehung“ genossen hätten. Er ergänzte hinzu, dass er einen schwulen Sohn nicht lieben könne: „Mir wäre lieber, er würde bei einem Unfall sterben“, so der Politiker. Er wurde deshalb wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von umgerechnet 34.000 Euro verurteilt.

Doch der Homo-Hass des Bolsonaro-Clans  hat auch eine andere, viel gefährlichere Seite. Im Mordfall Marielle Franco, einer offen lesbischen Stadträtin von Rio, die sich für die Armen der Stadt einsetzte, tauchen immer mehr Verbindungen zwischen den mutmaßlichen Tätern und dem rechtsextremen und homophoben Staatschef Jair Bolsonaro auf.

Schreckt der Bolsonaro-Clan auch nicht vor Mord zurück?

So hat Adriano Magalhees da Nobrega, einer der Chefs jener Miliz, die des Mordes verdächtigt wird, gute Kontakte zu Bolsonaros Sohn Flavio: Dieser hat Nobrega sogar für eine Verdienstmedaille vorgeschlagen und beschäftigte in seinem Abgeordnetenbüro zeitweise dessen Ehefrau und Mutter. Einer der Schützen wohnt im gleichen Wohnkomplex wie der Präsident, dessen Tochter soll zeitweise mit Bolsonaros zweitältestem Sohn Carlos liiert gewesen sein.

Wegen solcher gefährlicher Entwicklungen hat Jean Wyllys, der einzig offen schwule Abgeordnete im brasilianischen Parlament, das Land verlassen. „Leben zu bewahren ist auch eine Strategie, um für bessere Zeiten zu kämpfen“, so der 44-jährige Politiker der Linkspartei PSOL auf Twitter.