China liest mit: US-Behörde sieht Grindr als nationales Sicherheitsrisiko

Schon zuvor gab es Warnungen von Geheimdiensten, dass China die Daten nutzen könnte

Grindr
Symbolbild - Montage: GGG.at

Die Vereinigten Staaten sehen Grindr mittlerweile als Sicherheitsrisiko: Die beliebte schwule Dating-App wurde 2018 vollständig vom chinesischen Software-Unternehmen Beijing Kunlun Tech gekauft. Schon damals gab es Befürchtungen, dass der chinesische Geheimdienst die sensiblen Daten zum Spionieren oder für Erpressungen nutzen könnte.

Der wichtige Ausschuss für Auslandsinvestitionen kritisiert die Besitzer aus China

Nun legt der nationale Ausschuss für Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten (CFIUS) nach: Das Gremium, das Auslandsinvestitionen in den USA kontrolliert, hat Beijing Kunlun Tech darüber informiert, dass er den Besitz vor Grindr durch die Chinesen für ein Sicherheitsrisiko hält. Das berichten mehrere US-Medien.

Eine genauere Begründung dafür hat der Ausschuss nicht veröffentlicht. Daraufhin hat die chinesische Firma den geplanten Börsengang von Grindr abgebrochen. Letztes Jahr hatte Beijing Kunlun Tech angekündigt, Grindr an die Börse bringen zu wollen. Nun sucht der Eigentümer der Dating-App Medienberichten zufolge einen neuen Käufer und hat sie zur Versteigerung ausgeschrieben.

Beim Kauf haben die Chinesen versucht, sich an dem mächtigen Ausschuss vorbeizumogeln

Schon die Geschehnisse rund um den Kauf von Grindr durch die Chinesen waren außergewöhnlich. So haben sich Beobachter immer gewundert, warum ein Unternehmen, das Spiele vertreibt, mehr als hundert Millionen Dollar für eine schwulw Dating-App ausgibt. Auch geschah der Verkauf in zwei Tranchen 2016 und 2018 – und das ohne die eigentlich übliche Prüfung des CFIUS.

Beijing Kunlun Tech hatte zwar versichert, dass für Grindr mit seinem Firmensitz in West Hollywood nach wie vor die strengeren US-Datenschutzbestimmungen gelten, doch das bezweifeln Datenschützer und Geheimdienstmitarbeiter.

Chinesische Internet-Firmen müssen dem Staat auch sensible Daten weitergeben

Denn chinesische Firmen sind gesetzlich verpflichtet, ohne Einschränkungen mit den dortigen Behörden zusammenzuarbeiten. So könnten sensible Daten wie Bilder, Standorte, sexuelle Vorlieben oder der HIV-Status der Nutzer direkt von den chinesischen Sicherheitsbehörden abgegriffen werden.

So haben LGBT-Aktivisten aus China befürchtet, dass Daten von Grindr in der Volksrepublik für das „Sozialkredit“-System zur Kontrolle der Bürger verwendet werden könnten: Wer sich nicht so verhält, wie es das Regime verlangt, kann beispielsweise keine Zugtickets oder Flugreisen mehr buchen.

Weder Beijing Kunlun Tech noch der CFIUS wollten sich offiziell zu der Sache äußern.