TeenSTAR: Kein Verbot trotz Warnung von Experten des Ministeriums

Auf Druck der Kirche ignoriert das Bildungsministerium seine eigenen Experten

Screenshot: TeenSTAR
Screenshot: TeenSTAR

Der christlich-konservative Verein TeenSTAR steht seit mehreren Monaten in der Kritik: In den Schulungsunterlagen ist unter anderem zu lesen, Homosexualität sei durch eine Kombination aus Therapie, Selbsthilfegruppen und Seelsorge „heilbar“. Außerdem wurde dort Familienplanung ohne Empfängnisverhütung oder der Verzicht auf Sex vor der Ehe propagiert, Masturbation gilt als schädlich.

Doch Konsequenzen gibt es für die selbsternannten Aufklärer keine – und das, obwohl sogar zwei Analysen im Auftrag des Bildungsministeriums vor dem umstrittenen Verein warnen.

Experten des Bildungsministeriums warnen: TeenSTAR widerspricht den Vorschriften

Zwar hat Bildungsminister Heinz Faßmann zunächst angekündigt, die Tätigkeit von TeenSTAR an Schulen zu verbieten. Doch in einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Erlass des Ministeriums ist davon keine Rede mehr.

Dabei liegen dem Bildungsministerium mehrere negative und sogar warnende Stellungnahmen über TeenSTAR vor. Entsprechende Dokumente wurden der ZIB 2 zugespielt, mittlerweile hat auch GGG.at diese Dokumente.

Den Experten des Bildungsministeriums zufolge widersprechen die Unterlagen von TeenSTAR ganz klar den gesetzlichen Rahmenbedingungen für Sexualaufklärung an Schulen. Den Stellungnahmen zufolge enthielt das Schulungsmaterial Falschinfos und teils menschenrechtlich bedenkliche Aussagen. Deshalb sei es nicht für den Einsatz an Schulen geeignet.

TeenSTAR kann bei Jugendlichen schwere Krisen auslösen, steht in den Stellungnahmen

In Stellungnahmen, die Bildungsminister Faßmann angefordert, aber nicht veröffentlicht hat, ist außerdem zu lesen, dass die Gefahr bestehe, „dass bei Kindern und Jugendlichen, die selbst oder deren Familien nicht dem als anzustreben vermittelten spezifischen Lebensentwurf entsprechen, schwerwiegende persönliche Krisen ausgelöst werden können“.

Dass TeenSTAR an österreichischen Schulen nicht verboten wird, kritisiert Wolfgang Plaute, Leiter des Bundeszentrums für Sexualpädagogik: Er findet in dem Programm „falsche, massiv tendenziöse und teilweise auch menschenrechtlich bedenkliche Aussagen“. Für die Stellungnahme hat er neben den kritisierten Schulungsunterlagen auch wissenschaftliche Berichte, Medienberichte und Ergebnisse von Onlinerecherchen berücksichtigt.

„Wenn so deutlich wie hier bei TeenSTAR klar wird, dass es mit der Sexualerziehung an österreichischen Schulen nicht kompatibel ist, würde ich mir schon erwarten, dass das Bundesministerium eine klare Sprache spricht“, sagte er der ZIB 2. Plaute hat im Oktober 2018 ebenfalls eine Stellungnahme für das Ministerium verfasst – die allerdings als „zu kirchenkritisch“ ignoriert wurde.

Kirchenkritische und negative Stellungnahmen wurden einfach ignoriert

Ähnlich äußert sich auch die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic. „Minister Fassmann dürfte vor einflussreichen UnterstützerInnen von TeenSTAR eingeknickt sein. Wir werden dem nachgehen“, kündigt sie an. Dass die römisch-katholische Kirche und TeenSTAR gegen ein Verbot Druck gemacht haben, bestätigt mittlerweile sogar das Bildungsministerium. Sogar die zuständige Beamtin persönlich sei nach ORF-Informationen belästigt worden.

Offiziell heißt es, weil der Verein laut Ministerium aktuellere, unbedenkliche Unterlagen vorgelegt habe, dürfe TeenSTAR weiter an Schulen aktiv sein. Generalsekretär Marin Netzer verweist außerdem auf strengere Kriterien, die im neuen Erlass für Sexualkunde festgelegt wurden.

TeenSTAR sieht sich durch den Erlass des Ministeriums in seiner Haltung bestätigt

Für Dziedzic ist das Verhalten des Ministeriums ein Skandal. „Hier geht es um fragwürdige und für Jugendliche erwiesenermaßen gefährliche Inhalte“, betont sie: „Faßmann ignoriert die Einschätzung von internen ExpertInnen und opfert diese einer reaktionären Ideologie. Das alles am Rücken von SchülerInnen.“

TeenSTAR selbst betont in einer Stellungnahme, man finde sich im Erlass des Ministeriums wieder und fühle sich in der Arbeit der Vereins bestätigt.