Bischofskonferenz fördert TeenSTAR mit 25.000 Euro im Jahr

Förderung wurde unter dem konservativen Bischof Klaus Küng eingeführt

Kardinal Christoph Schönborn
Henning Klingen/Kathpress

Die österreichischen Bischöfe unterstützen den umstrittenen Sexualkunde-Verein TeenSTAR mit 25.000 Euro im Jahr. Das berichtet die Tageszeitung Die Presse in ihrer heutigen Ausgabe. Der Verein war in die Kritik geraten, weil er in seinen Unterlagen unter anderem Masturbation für schädlich befand, Sex vor der Ehe ablehnte oder Homosexualität für potenziell heilbar hielt.

Mit dem Geld finanziert die Bischofskonferenz eine Teilanstellung bei TeenSTAR

Bildungsminister Heinz Faßmann hat daraufhin am Montag allen österreichischen Schulen empfohlen, ihre Zusammenarbeit mit dem Verein zu beenden. Zuvor hatte sich der Minister vor diesem Schritt gedrückt – es soll massives Lobbying, auch der römisch-katholischen Kirche, gegen einen solchen Schritt gegeben haben. Nun ist auch klar warum.

Wie Johannes Reinprecht, Chef des kirchlichen Instituts für Ehe und Familie, der Presse bestätigt, gewährt die österreichische Bischofskonferenz TeenSTAR eine jährliche Förderung in der Höhe von 25.000 Euro. Mit dem Geld werde eine Teilanstellung bei TeenSTAR finanziert, so Reinprecht. Sonst erhalte sich der Verein seinen Informationen zufolge durch ehrenamtliches Engagement und Spenden.

Faßmann will TeenSTAR aus den Schulen haben, doch die Kirche hält an dem Verein fest

Die Bischofskonferenz unterstütze TeenSTAR demnach schon seit einigen Jahren. Begonnen haben die Förderungen, als der mittlerweile emeritierte Klaus Küng Familienbischof war. Er wird dem ultrakonservativen Lager der römisch-katholischen Kirche in Österreich zugerechnet. Nun werden die Zahlungen unter dem aktuell zuständigen Salzburger Erzbischof Franz Lackner fortgeführt.

Dass TeenSTAR in die Kritik geraten war, weil die Inhalte unter anderem dem ministeriellen Erlass für Sexualpädagogik widersprechen, kümmert die Bischofskonferenz offenbar nicht. So findet Wolfgang Plaute, Leiter des Bundeszentrums für Sexualpädagogik, in dem Programm „falsche, massiv tendenziöse und teilweise auch menschenrechtlich bedenkliche Aussagen“.

Reinprecht verteidigt den Verein

In Stellungnahmen, die Bildungsminister Faßmann angefordert, aber nicht veröffentlicht hat, ist zu lesen, dass die Gefahr bestehe, „dass bei Kindern und Jugendlichen, die selbst oder deren Familien nicht dem als anzustreben vermittelten spezifischen Lebensentwurf entsprechen, schwerwiegende persönliche Krisen ausgelöst werden können“.

Reinprecht beobachtet diese Diskussion mit Befremden, wie er selbst sagt. Es werde mit Unterstellungen gearbeitet, erklärt der Chef des kirchlichen Instituts für Ehe und Familie – und hält dem umstrittenen Verein die Stange: „Mit jenen Werten, die uns wichtig sind, sehen wir TeenSTAR als hochgradig kompatibel an“, betont er.

Auf die Frage der Presse, ob er die Aussage, dass Homosexualität – wie in den TeenSTAR-Schulungsunterlagen behauptet – unter bestimmten Umständen heilbar sein kann, weicht Reinprecht aus: „Da bin ich nicht profund eingearbeitet“, erklärt er.