Lori Lightfoot: Chicago hat eine offen lesbische Bürgermeisterin

Polit-Newcomerin spiegelt die Hoffnung der Wähler auf einen Neubeginn

Lori Lightfoot
Lightfoot for Chicago

Die neue Bürgermeisterin von Chicago ist eine schwarze lesbische Frau: Die 56 Jahre alte Demokratin Lori Lightfoot setzte sich am Dienstag in einer Stichwahl mit rund drei Viertel der Stimmen klar gegen ihre ebenfalls schwarze Parteifreundin Toni Preckwinkle durch. Beide Politikerinnen werden zum linken Flügel ihrer Partei zugerechnet.

Viele Wähler hoffen einen Umschwung durch die politische Newcomerin Lori Lightfoot

Lightfoot ist damit die erste offen homosexuelle Politikerin an der Spitze der drittgrößten Stadt der USA. Der bisherige Bürgermeister Rahm Emanuel, der erste Stabschef von Präsident Barack Obama, hatte auf eine dritte Kandidatur verzichtet. Zu den ersten Gratulantinnen von Lightfoot gehörte ihre Lebensgefährtin Amy Eshleman, die sie bei der Siegesfeier küsste.

Die ehemalige Bundesstaatsanwältin, die noch kein Amt in der Lokalpolitik innehatte, hatte ihren Wahlkampf bewusst als Außenseiterin bestritten – im Gegensatz zu Prechwinkle, einer erfahrenen Kommunalpolitikerin. „Die Menschen hoffen, dass etwas anderes kommt“, sagte die frisch gewählte Bürgermeisterin am Dienstag: „Es ist überwältigend, dafür eine Hoffnungsträgerin zu sein.“

Weniger Waffen, weniger Korruption, weniger Polizeigewalt

Die 56-Jährige möchte die Waffengewalt in Chicago eindämmen. So wurden im letzten Jahr in der Stadt mehr als 550 Menschen ermordet – mehr als in New York und Los Angeles zusammen. Den Kampf gegen die Korruption hat sich Lightfoot ebenfalls auf ihre Fahnen geheftet. Und sie weiß, wovon sie spricht: Als Staatsanwältin verfolgte sie Drogendealer, Wirtschaftsbetrüger und korrupte Politiker in der Stadt.

Auch bei der Polizei von Chicago dürfte sich einiges ändern: Nachdem ein schwarzer Jugendlicher von einem weißen Polizisten erschossen wurde, war Lightfoot Teil einer Kommission, die die Polizeibrutalität gegen Afroamerikaner untersuchte. Das Thema liegt vielen Chicagoern am Herzen: Fast ein Drittel der Bevölkerung ist schwarz.

Auch die ärmeren Viertel sollen vom Wohlstand der Stadt profitieren

Außerdem möchte Lightfoot die Lebensbedingungen in den heruntergekommenen, mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Vierteln im Süden und Westen der 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt verbessern. Die sozialen Ungleichheiten sind eines der größten Probleme in der Stadt: Zwar floriert die Wirtschaft in Chicago, doch die ärmere Bevölkerung profitiert davon nicht.

Bis jetzt war Chicago bei der Wahl seiner Bürgermeister äußerst konservativ: Seit 1837 gab es erst einen schwarzen Bürgermeister sowie nur eine Frau, einer sexuellen Minderheit gehörte offiziell noch kein Stadtoberhaupt an. Mit der offen lesbischen Lori Lightfoot bricht damit auf jeden Fall eine neue Ära an.