Mormonen wollen schwule und lesbische Ehepaare nicht mehr aus der Kirche werfen

Auch dürfen ihre Kinder getauft werden

Symbolbild: Schwules Ehepaar
Symbolbild - Fotolia

Überraschende Wende bei den Mormonen in den USA: Wie unter anderem der Nachrichtensender CNN berichtet, hat die Glaubensgemeinschaft jetzt erklärt, dass sie gleichgeschlechtliche Ehen nicht mehr als Abfall vom Glauben bewertet. Damit nehmen sie eine vier Jahre alte strengere Regelung zurück.

Kinder von gleichgeschlechtlichen Ehepaaren sollen künftig getauft werden können

Für schwule und lesbische Paare innerhalb der Mormonen sinkt dadurch die Gefahr einer Exkommunikation aus der erzkonservativen Glaubensgemeinschaft, die ihnen nach den alten Regeln angedroht wurde.

Die Kinder dieser Paare sollen künftig in den USA auch ohne spezielle Genehmigung getauft werden dürfen. Das war nach den 2015 erlassenen Vorschriften verboten. Allerdings müssten sich die Eltern im Klaren sein, dass die Kinder dann im Sinn der Glaubensgrundsätze der Mormonen erzogen werden würden, so ein Sprecher. Zuvor konnten die Kinder gleichgeschlechtlicher Ehepaare nur getauft werden, wenn sie Volljährig waren und dem Lebensstil ihrer Eltern abschworen.

Von sexuellen Minderheiten wird bei den Mormonen noch immer Enthaltsamkeit erwartet

Doch an den Lehren der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ über die Ehe ändere sich nichts, betonte Dallin Oaks, der zur Leitung der Glaubensgemeinschaft gehört, bei einer Tagung in Salt Lake City. Gleichgeschlechtliche Ehen würden nach wie vor als „ernstes Vergehen“ gewertet.

Und von schwulen, lesbischen, bisexuellen und transgender Mormonen werde auch nach wie vor erwartet, dass sie den Vorschriften gemäß keusch lebten. Allerdings soll unmoralisches Verhalten in hetero- und homosexuellen Beziehungen künftig gleich behandelt werden, so Oaks weiter. Damit wolle man „Hass und Streit, die heute so üblich sind“ verringern. Einen weiteren Kommentar zu dem Thema will die Gemeinschaft nicht abgeben.

Wegen ihrer Ablehnung gegenüber LGBT-Personen stehen die Mormonen unter Druck

Mit diesem Schritt nehmen die Mormonen strengere Regeln aus dem Jahr 2015 zurück. Als Reaktion auf diese Regeln haben damals rund 1.500 Mitglieder die Glaubensgemeinschaft aus Protest verlassen. Auch sonst waren die Mormonen wegen ihrer ablehnenden Haltung sexuellen Minderheiten gegenüber immer wieder unter öffentlichen Druck geraten.

Eigenen Angaben zufolge hat die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, die ihr Zentrum in Salt Lake City im US-Bundesstat Utah hat, weltweit mehr als 16 Millionen Anhänger. Viele von ihnen haben in den Vereinigten Staaten einflussreiche Posten in Wirtschaft und Politik. Einer der bekanntesten Mormonen ist der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney.