Vorarlberg: Amt verweigert Trans-Frau amtliche Änderung des Geschlechts

Stadt und Land ignorieren die Empfehlung des Gesundheitsministeriums

Vorarlberg
GGG.at

Schwere Vorwürfe erhebt eine 30-jährige Transfrau aus Vorarlberg gegen die Stadtgemeinde Bludenz: Diese verwehrt ihr die Personenstandsänderung mit fadenscheinigen Argumenten, berichtet die Russmedia-Gruppe.

Die Stadt Bludenz verwehrt Vivienne ohne Gutachten die Anerkennung als Frau

Vivienne wurde als Mario geboren, lebt seit einigen Jahren in ihrem gefühlten Geschlecht als Frau und möchte diese Änderung nun auch amtlich machen. Eigentlich ist diese Personenstandsänderung eine simple Dienstleistung beim Bürgerservice – nicht aber in Bludenz.

„Dreimal war ich jetzt schon vor Ort im Bürgerservice. Und jedes Mal wurde mir die Personenstandsänderung verwehrt“, ärgert sich Vivienne: „Ich habe auch von Freunden aus der Trans-Community hier im Ländle erfahren, dass es bei den Standesämtern anderer Städte und Gemeinden nicht solche Probleme geben soll. Offenbar stellt sich nur Bludenz quer.“

Dass ihre Therapeutin die Transidentität von Vivienne bestätigt, reicht der Stadt Bludenz nicht

Denn Bludenz verlangt das Gutachten eines Facharztes, um Vivienne auch amtlich zur Frau zu machen. Die war einmal notwendig, ist es aber seit Jahren nicht mehr: „Das Bundesministerium für Gesundheit hat inzwischen eine neue Empfehlung verfasst. Und darin steht ausdrücklich, dass eine psychotherapeutische Stellungnahme ausreicht“,so Vivienne.

Und diese Stellungnahme hat Vivienne. In ihr bestätigt die Dornbirner Psychotherapeutin Margit Türtscher-Drexel auch, dass die 30-Jährige die beiden weiteren Voraussetzungen für eine Personenstandsänderung erfüllt. Denn die Expertin geht davon aus, dass sich an dem „geschlechtlichen Zugehörigkeitsempfinden aller Voraussicht nach nichts ändern wird“ und Viviennes „äußeres Erscheinungsbild dem Identitätsgeschlecht angenähert ist“.

Vivienne geht es um Respekt: Die Begutachtung empfindet sie als demütigend

Dabei wird die Stadt Bludenz offenbar vom Land Vorarlberg in ihrer Einschätzung noch bestärkt: Es empfiehlt der Stadtverwaltung, das Verfahren „zur Geschlechtsänderung (…) bis zur Vorlage des fachärztlichen Gutachtens“, die Mitte Mai stattfinden soll, auszusetzen.

Doch bis zu diesem Termin will Vivienne nicht warten. „Es geht mir einfach um Respekt. Ich empfinde diese angeordnete Begutachtung durch eine völlig fremde Person als demütigend. Meiner Therapeutin habe ich mich anvertraut, sie kennt mich in- und auswendig und kann meine Transsexualität ja wohl am besten einschätzen“, ärgert sie sich – deshalb kämpft sie gegen die verpflichtende Untersuchung durch einen Facharzt.

Stadt Bludenz und Land Vorarlberg berufen sich auf die Empfehlungen des Innenministeriums

Die Stadt Bludenz möchte gegenüber der Russmedia-Gruppe den konkreten Fall nicht kommentieren. Doch im Gesetzestext stehe „eindeutig, dass ein Gutachten von einem eingetragenen Sachverständigen vorzulegen ist“, so Stefan Kirisits, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit Bludenz.

Dass das Gesundheitsministerium eine andere Vorgehensweise empfiehlt und auch bei anderen Gemeinden ein psychotherapeutisches Gutachten für die Änderung des Personenstands reicht, ist für die Stadt Bludenz und die Vorarlberger Landesregierung kein Argument. Denn das Meldewesen sei Sache des Innenministeriums. Und dieses empfehle „das irreversible Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht durch ein profundes Gutachten feststellen zu lassen“, heißt es aus dem Büro des Landeshauptmannes.

Doch Vivienne gibt nicht auf; „Ich lasse mich nicht unterkriegen. Das war Marios Ding. Vivienne ist stark“, sagt sie zum Abschluss.