USA: 15-jähriger Schwuler begeht nach Mobbing Selbstmord

Doch für einige Menschen in Alabama ist das offenbar ein Grund zur Freude

Nigel Shelby
Rocket City Pride

Im US-Bundesstaat Alabama hat ein 15-jähriger Schwuler Selbstmord begangen, weil er wegen seiner sexuellen Orientierung gemobbt wurde. Und auch nach seinem Tod ist es mit dem Mobbing nicht vorbei.

„Er erzählte mir, dass andere Kinder Dinge zu ihm sagten, die seine Gefühle verletzten“

Nigel Shelby aus Huntsville in Alabama lebte offen schwul. Letzten Freitag hielt er die Angriffe offenbar nicht mehr aus und nahm sich das Leben. „Er erzählte mir, dass andere Kinder Dinge zu ihm sagten, die seine Gefühle verletzten“, erinnerte sich seine Mutter Camika Shelby gegenüber dem US-Sender NBC. LGBT-Aktivisten und das Umfeld des 15-Jährigen reagierten erschüttert.

So hat unter anderem Shelbys Schule auf Facebook erschüttert reagiert. „Bitte seien sie aufmerksam auf Veränderungen im Verhalten ihres Kindes. Die nächsten Tage sollten Sie Ihr Kind dazu auffordern, seine Gefühle auszudrücken und ihm gut zuhören“, schrieb der Schuldirektor, ohne das Wort Selbstmord oder die Homosexualität des 15-Jährigen zu erwaähnen.

„Wir sind untröstlich über den Tod von Nigel Shelby“, heißt es in einer Stellungnahme des Rocket City Pride, der LGBT-Parade von Huntsville, auf Facebook: „Nigel hat sich das Leben genommen, weil er für sein Schwulsein gemobbt wurde. Wir haben keine Worte, um dieser schrecklichen Nachricht Sinn zu verleihen.“

Ein Hilfssheriff nimmt den tragischen Vorfall zum Anlass, um gegen sexuelle Minderheiten zu hetzen

Doch nicht alle sind vom tragischen Tod des 15-Jährigen so berührt. So kritisierte ein Hilfssheriff von Huntsville etwa am Sonntag auf Facebook, das nach dem Selbstmord öffentlich über Homosexualität gesprochen wurde. Er fühle sich durch die Debatte selbst persönlich angegriffen: „Die Gesellschaft kann und sollte ein solches Verhalten nicht akzeptieren“, schrieb der Mann.

Für ihn persönlich würde die Abkürzung LGBTQ für Liberty, Guns, Bible, Trump und BBQ stehen, so der Mann weiter auf Facebook. Er wurde mittlerweile vom Dienst suspendiert, gegen ihn wird ermittelt. Sheriff Kevin Turner teilte mit, dass Mobbing nicht akzeptabel sei, und sprach der Familie des toten Burschen sein Beileid aus.  

Alabama ist einer jener US-Bundesstaaten, in denen sexuelle Minderheiten nicht vor Hassreden oder Diskriminierung geschützt sind. Politiker in dem konservativen Bundesstaat versuchen auch immer wieder, mit LGBT-feindlichen Positionen bei den Wählern zu punkten.

Wie sämtliche Medien berichtet GGG.at normalerweise nicht über Selbsttötungen – außer, sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Dadurch wollen wir keinen Anreiz zur Nachahmung geben. Wenn Sie selbst depressiv sind oder ähnliche Gedanken haben, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge unter http://www.telefonseelsorge.at/ oder der österreichweiten Rufnummer 142.