Dienstag, 28. Mai 2024
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[Video] Ukraine: Erniedrigende Polizei-Razzia in Schwulenclub

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Schwere Vorwürfe erheben ukrainische LGBT-Aktivisten gegenüber der Polizei des Landes: Sie soll aus Homophobie einen Schwulenclub gestürmt haben und soll dabei übergriffig geworden sein.

Die Gäste mussten sich auf den Boden legen, dann öffneten die Polizisten das Fenster – draußen war es bitterkalt

Es war in der Nacht vom 19. zum 20. April, als gegen 1.00 Uhr bis zu 25 Polizisten den Nachtclub „Potemkin“ in der ostukrainischen Millionenstadt Dnipro stürmten. Sie zwangen die etwa 25 Gäste und das Barpersonal, sich auf den Boden zu legen, während die Beamten das Fenster öffneten – bei Außentemperaturen unter fünf Grad.

Aufstehen durften sie erst drei Stunden später wieder, berichtet die Organisation Nash Mir. Alle Mobiltelefone der Feiernden wurden beschlagnahmt, nach der Polizeiaktion fehlten auch persönliche Gegenstände aus der Garderobe sowie Equipment des Clubs.

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Wie Nash Mir weiter berichtet, hätten sich die Polizisten bei dem Einsatz „sehr aggressiv und homophob“ verhalten. So hätten sie die Gäste immer wieder schwulenfeindlich beleidigt und lächerlich gemacht. Zwei Ausländer wurden gezwungen, die ukrainische Nationalhymne zu singen. Ein Gast soll verletzt worden sein.

Die Polizei begründet die Razzia mit dem Verdacht auf Prostitution und Verbreitung von Pornografie

Die ukrainische Polizei ist sich keiner Schuld bewusst. Sie begründeten die Razzia mit dem Verdacht auf Prostitution und der Verbreitung von Pornografie. Sie veröffentlichte auch ein Video von der Aktion. 

Der Besitzer des Clubs und einige Gäste sollen mittlerweile Anzeige erstattet haben. Nash Mir verurteilte in einer Stellungnahme die Polizeiaktion. „In einer Zeit, in der es viel Kriminalität in der Ukraine gibt, darunter auch Hassvergehen gegen Homosexuelle, versucht die Polizei, einvernehmlichen gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Männern zu verhindern“, heißt es dort.

LGBT-Aktivisten fordern eine Untersuchung zur Razzia

Die Organisation hat außerdem die Polizeiführung der Ukraine und der Doblast Dnipropetrovsk sowie den Kommissar für Menschenrechte aufgefordert, die Angaben der Opfer der Razzia zu überprüfen und – sollten sie sich bestätigen – die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Homosexualität ist in der Ukraine seit 1991 legal. Im Jahr 2015 verabschiedete das Parlament in Kiew auf Druck der Europäischen Union ein Antidiskriminierungsgesetz für Schwule und Lesben. Allerdings ist Homophobie in der Bevölkerung noch immer weit verbreitet. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen, zuletzt vor zwei Wochen bei der Europäischen Lesbenkonferenz, sie in Kiew stattfand.