Hat ein enger Vertrauter von Papst Benedikt einen Priester missbraucht?

Der Betroffene war auch eine Zeit lang in Wien tätig

Petersdom
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Ein enger Vertrauter von Papst Benedikt wird beschuldigt, im Vatikan einen ihm untergebenen Priester sexuell missbraucht zu haben. Das berichtet heute die Bild-Zeitung. Und: Der verdächtigte Prälat könnte auch während seiner Zeit in Wien umtriebig gewesen sein. Sein Anwalt weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

„Ich wurde häufig Opfer sexueller Übergriffe von meinem damaligen Chef“

Der Prälat war von 2001 bis 2008 hochrangiger Beamter im Staatssekretariat des Vatikans. In dieser Zeit soll er sich an dem Priester vergangen haben. „Ich wurde häufig Opfer sexueller Übergriffe von meinem damaligen Chef“, bestätigt der Geistliche seine Vorwürfe gegenüber der Zeitung: „Wenn ich mich mitunter gegen die Angriffe gewehrt habe, hat er mich mit Schikanen bestraft. Daran bin ich psychisch erkrankt.“

Danach wurde der Prälat von Papst Benedikt als Diplomat in die Nuntiatur in Wien versetzt – und auch dort könnte es Übergriffe gegeben haben. Das behauptete zumindest das mittlerweile vom Netz genommene radikal-katholische Portal kreuz.net. Das Bistum Eichstätt, wohin der heute 55-Jährige weiter versetzt wurde, überprüfte diese Hinweise über angebliche sexuelle Übergriffe während seiner Zeit in Wien.

Dass es auch in Wien Übergriffe des Geistlichen gegeben hätte, konnten Kirchen-Untersuchungen nicht bestätigen

Doch die Untersuchungen hätten die Vorwürfe gegen den Prälaten nicht bestätigt, erklärt Martin Swientek, Sprecher des Bistums: „Sowohl das Gespräch mit dem Betroffenen als auch mit den Personalverantwortlichen des diplomatischen Dienstes haben keine Hinweise ergeben, die ein Handeln von der Diözese im Sinn der Leitlinien erforderlich gemacht hätten.“

Mit den öffentlichen Anschuldigungen des Priesters hat die Missbrauchs-Affäre rund um römisch-katholische Geistliche nun auch die höchsten Kreise des Vatikans erfasst. Dort sei der Fall bekannt, erklärt der betroffene Priester der Tageszeitung. Dem Staatssekretariat würden auch medizinische Unterlagen vorliegen, die den Missbrauch bestätigen würden.

Doch Reaktionen auf die schwerwiegenden Vorwürfe gibt es aus dem Vatikan noch nicht. Der Beschuldigte selbst bestreitet über seinen Rechtsanwalt die Vorwürfe, der Jurist spricht von „böswilliger Verleumdung“. Man werde „energisch gegen den das allgemeine Persönlichkeitsrecht meines Mandanten aufs Schwerste verletzenden Beitrag vorgehen“, kündigte der Anwalt in der katholischen Tagespost an. Für den Geistlichen gilt die Unschuldsvermutung.