Zum Ende knirscht’s: Heftige Irritationen zwischen dem Life Ball und der Stadt Wien

Keszler gibt der Stadt eine Mitschuld am Ende des Balles - doch das sieht diese anders

Rathausplatz beim Life Ball
Life Ball/Christoph Leder

Dass sich der Life Ball mit einem großen Knall verabschieden wird, war klar. Dass dieser vor allem hinter den Kulissen stattfindet, wirft jetzt einen Schatten auf die letzte Ausgabe des weltbekannten Charity-Events.

Stadt spricht von „emotionaler Erpressung“ durch Keszler

Denn wie der Kurier berichtet, ist das Ende des Life Balls auch das Resultat eines Zerwürfnisses zwischen seinem Schöpfer Gery Keszler und dem Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, der der Veranstaltung deutlich kritischer eingestellt war als seine Vorgänger. Keszler soll der Tageszeitung zufolge sogar geplant haben, den Stadtchef beim Ball auf offener Bühne ausbuhen zu lassen. Von „emotionaler Erpressung“ Kesslers sei ebenso die Rede wie von Geltungssucht und gekränkter Eitelkeit, so der Kurier

Grund dafür: Um das Spendengütesiegel weiter zu bekommen, hätte der Verein Life +, der den Ball veranstaltet, angeblich eine Ausfallgarantie in der Höhe von 300.000 Euro benötigt – zusätzlich zu den 900.000 Euro Förderungen und den Kosten für Aufbau und Rathaus – was die Stadt noch einmal 180.000 Euro pro Jahr kostet, Personalkosten nicht mitgerechnet. Außerdem hätte die Stadt Wien weiteres Geld zuschießen oder bei der Suche nach Sponsoren helfen sollen, heißt es aus Rathauskreisen. Ohne diese Hilfe sei der „Ball am Ende“, soll es seitens des Life Ball geheißen haben.

Das gegenseitige Vertrauensverhältnis ist schwer beschädigt

Bei der Stadt hielt man die Ankündigung „für eine der fast üblichen Drohgebärden, für die Gery Keszler bekannt ist“ – und sagte nein. Das Ergebnis ist bekannt: Der Life Ball am 8. Juni wird der letzte sein. „Keszler hat sein eigenes Baby fallen gelassen“, ist man im Rathaus verärgert. Er zerstöre „mutwillig“ eine Marke, mit der er Wien jahrelang als moderne, weltoffene Stadt positioniert habe.

Dort sieht man die Probleme des Balles eher mit der Person Keszler verbunden: Die Sponsoren wurden alljährlich „beleidigt und herabgewürdigt“, berichtet ein namentlich nicht genannter Geschäftspartner dem Kurier. Nicht wenige Mitarbeiter habe Keszler „ins Burn-out getrieben, kaum einer hielt mehr als ein Jahr durch“. Das soll bei den Geldgebern nicht gut angekommen sein, berichtet die Zeitung.

Keszler selbst scheint dem Kurier zufolge auf Rache zu sinnen. Beim Ball soll Ludwig ausgebuht werden, verrät ein Partner Keszlers, im Büro des Bürgermeisters soll man nun überlegen, ob Ludwig den Ball gar nicht besucht.

Dass Keszler nun der Stadt Wien die Schuld am Ende des Balles gibt, stößt wiederum dem Umfeld des Bürgermeisters sauer auf. „Undank ist der Welten Lohn“, zitiert der Kurier einen Vertrauten. Keszler selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.