Schwules Leben zensiert: Elton John kritisiert russische Version von „Rocketman“

Örtlicher Verleih schneidet alle schwulen Kuss- und Sexszenen aus dem Film

Taron Egerton als Elton John
Paramount Pictures

„Rocketman“, der Film über das Leben von Sir Elton John geht recht deutlich mit der Homosexualität des Musikers um. Für Russland etwas zu deutlich: Alle entsprechenden Szenen wurden dort herausgeschnitten. Das sorgt Empörung – bei Elton John und Hauptdarsteller Taron Egerton.

Im Film spielen die schwulen Liebesbeziehungen von Elton John eine wichtige Rolle – in Russland fehlen sie

Der Film schildert den Aufstieg von Elton John zum Superstar, inklusive seinen Liebesbeziehungen und dem exzessiven Drogenkonsum zu Beginn seiner Karriere. Schwule Liebesszenen machen dabei einen großen und wichtigen Teil des Films aus – in einer davon verliert der Superstar seine Jungfräulichkeit an seinen Manager John Reid.

Diese Woche startet der Film in Russland. Doch wie „The Hollywood Reporter“ berichtet, war der Film bei einer ersten Vorführung in London um fünf Minuten kürzer als im Rest der Welt. Der russische Filmkritiker Anton Dolin auf Facebook berichtet, dass „alle Szenen mit Küssen, Sex und Oralsex zwischen Männern aus dem Film entfernt wurden“.

Auch den Abspann hat der russische Rechteinhaber „Zentraler Partner“ geändert. Hinweise auf Elton Johns Leben mit seinem Ehepartner David Furnish und seinen beiden Kindern seien verschwunden, so Dolin.

Sir Elton John ist empört – er wurde vorab nicht informiert

„Wir verurteilen die Entscheidung, Rocketman für den russischen Markt zu zensieren, aufs Schärfste, wir waren bis heute über diese Sache nicht informiert“, ist Sir Elton John empört:  „Dass die lokale Vertriebsfirma dem Publikum die Möglichkeit verweigert, den Film in der beabsichtigten Form zu sehen, ist ein trauriges Spiegelbild der gespaltenen Welt, in der wir noch immer leben“, schreibt der 72-Jährige auf Instagram: Es sei grausam, die Liebe zwischen zwei Menschen nicht zu akzeptieren.

In einer gemeinsamen Erklärung des Sängern mit den Machern des Films heißt es, man lehne die Entscheidung nachdrücklich ab, ‚Rocketman‘ für den russischen Markt zu zensieren. Auch Taron Egerton, der in dem Film Elton John meisterhaft verkörpert, erklärte auf Instagram, dass er von der Entscheidung der russischen Vertriebsfirma enttäuscht sei.

Auch Hauptdarsteller Taron Egerton ist von der russischen Zensur enttäuscht

„Ich bin noch mehr darüber enttäuscht, dass ich es heute aus zweiter Hand gehört habe, an dem Tag, an dem der Film bei uns zu Hause erscheint. Ich billige diese Entscheidung in keiner Weise und fühle mich enttäuscht, dass ich darüber nicht informiert wurde und keine Chance hatte, für diesen Film zu kämpfen. Liebe ist Liebe. Keine Kompromisse“, so Egerton auf Instagram – gefolgt von einem Regenbogen-Emoji.

Das russische Kulturministerium betonte gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur RIA, es habe keine Empfehlungen für den Film ausgesprochen. Die Kürzungen seien „allein eine Entscheidung der vertreibenden Firma“, so ein Sprecher zu RIA. Das bestätigte auch „Zentraler Partner“ der Bild-Zeitung auch Nachfrage. „Wir mussten den Film in Übereinstimmung mit den juristischen Anforderungen unseres Landes bringen“, so eine Sprecherin auf Nachfrage der deutschen Zeitung.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Sir Elton John den Umgang Russlands mit Homosexualität kritisiert: Im Jahr 2013 sprach er sich öffentlich gegen das international umstrittene Gesetz gegen „Homopropaganda“ aus. Dieses verbietet eine positive Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe vor Minderjährigen – und damit praktisch in der gesamten Öffentlichkeit.