Home Szene Wien Pride Village: Sicherheitsdienst verbietet Wasserflaschen bei 32 Grad

Pride Village: Sicherheitsdienst verbietet Wasserflaschen bei 32 Grad

Nach zwei Tagen sorgt das Herz der EuroPride bei einigen Besuchern für Ärger

Pride Village
Stonewall GmbH

„Die Preise haben nicht wir gemacht…“, sagt einer der Barmänner beim Pride Village seinen Freunden fast entschuldigend. Denn sowohl über das Angebot als auch die Preisgestaltung können die Wirte nicht selbst bestimmen, sondern müssen sich an die sponsorenfreundlichen Vorgaben der Veranstalter halten.

Und die Preise sind durchaus selbstbewusst gewählt, das Krügel Heineken kostet 5,50 Euro – und Alternativen gibt es praktisch keine: Gestern wurden einigen Besuchern bei mehr als 30 Grad am Eingang sogar Wasserflaschen weggenommen.

Zu wenig Community und zuviel Kommerz im Pride Village?

Auch sonst gibt es in sozialen Netzwerken jede Menge Kritik am Pride Village. Zu kommerziell sei das Village, die Community sei zu wenig eingebunden, heißt es immer wieder. So sollen einige Vereine keinen Stand am Pride Village bekommen haben – während ein finanziell unterstützender Drogeriemarkt mit zwei Ständen vertreten ist.

Schwule Vereine und Veranstaltungen finden im offiziellen Programm praktisch nicht statt, die Ausstellung eines Künstlers landete erst eine gute Woche nach deren Eröffnung auf der Website im offiziellen Programm. „Es ist schlichtes Unvermögen gepaart mit nicht wirklichem vorhandenem Willen die Community einzubinden“, schreibt ein enttäuschter Gast des Pride Village auf Facebook.

Gebrochene Versprechen und keine Informationen gegenüber Künstlern

Auch wurden offenbar Zusagen gegenüber der Community nicht eingehalten: So wurde den Austrian Queer Artists (AQA) beispielsweise versprochen, dass sie die Baustellenzäune, die das Europamonument im Pride Park eingrenzen, mit ihren Kunstwerken verschönern können – stattdessen sind diese Zäune jetzt leer, vereinzelt prangen dort jetzt die Sponsorenlogos.

Künstlern, die sich beworben haben, um beim Pride Village aufzutreten, mussten Offerte schreiben – und erfuhren später, dass es doch nur eine Aufwandsentschädigung gibt. Absagen gab es für jene, die nicht auftreten durften, keine – dafür erfuhr einer von ihnen nur unter der Hand, dass er nicht genommen wurde, weil man die ganze Community abbilden wolle und es schon genug weiße österreichische männliche Sänger gebe.

Pampige Securities, strenge Vorschriften und Schweigen der Veranstalter

Und ein Besucher, der kurz vor 22.00 Uhr statt den Mobiltoiletten am Gelände die feste Bedürfnisanstalt im Rathauspark besucht hat, wurde anschließend von pampigen Securities nicht mehr ins Pride Village gelassen – obwohl nicht nur seine Freunde noch drinnen waren, sondern auch seine Tasche mit Ausweis und Geld. Als er es doch wieder aufs Gelände schaffte, rief ihm einer der Securities noch „Dich merk‘ ich mir“ nach.

GGG.at hat sie Stonewall GmbH, die für das Pride Village verantwortlich ist, um eine Stellungnahme gebeten. Bis jetzt traf noch keine Antwort ein.

Zumindest für die Getränkeproblematik dürfte sich eine Lösung gefunden haben: Wie ein Funktionär der HOSI Wien gestern auf Facebook versprach, werden die Securities noch einmal geschult, damit Wasserflaschen bei der derzeitigen Hitzewelle doch auf das Gelände des Pride Village mitgenommen werden können.

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