Honduras: Zwei Trans-Aktivistinnen erschossen

Gewalt gegen sexuelle Minderheiten hält weiter an

Bessy Ferrera und Santiago Carvajal
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In Honduras sind zwei prominente Trans-Frauen ermordet worden: Die Fernsehmoderatorin Santiago Carvajal und die Trans-Aktivistin Bessy Ferrera wurden in den letzten Tagen unabhängig voneinander umgebracht.

Santiago Carvajal hatte die Mächtigen kritisiert

Carvajal hat im TV-Sender Telesur die „La Galaxia de Santi“ moderiert, die auch immer wieder kritisch gegenüber lokalen Behörden auftrat. Am Freitag schoss unweit des Studios in Puerto Cortés eine Gruppe von Männern mehrmals auf die Trans-Frau. Zunächst wurde die 32-Jährige ins nächste Krankenhaus gebracht, dann wurde sie aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen in eine Klinik in San Pedro Sula im Nordwesten des Landes gebracht. Dort erlag sie am Samstag ihren schweren Verletzungen.

Ihre Kollegen erklärten, dass Carvajal, die sich auch für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzte, am Tag vor ihrer Ermordung Todesdrohungen erhalten habe. Ihr Tod war der 78. Mord an Journalisten un Honduras seit 2003. Zu den Tätern gibt es bis jetzt keine Spuren.

Bessy Ferrara setzte sich für Trans-Personen und Sexarbeiterinnen ein

Bessy Ferrera wurde am Montag in der Früh auf offener Straße in Comayagüela, einem Stadtteil der Hauptstadt Tegucigalpa, erschossen. Die Sex-Arbeiterin ging gerade ihrer Arbeit nach, als sich ihr ein Auto mit zwei Unbekannten näherte und einer der Männer mehrere Male auf sie schoss. Sie war sofort tot. Eine weitere Sex-Arbeiterin wurde bei dem Anschlag schwer verletzt. Zwei Männer wurden vorübergehend festgenommen.

Ferrera war stellvertretende Leiterin der Trans-Frauengruppe der„Asociación Arcoíris“, die sich unter anderem um Opfer von homo- oder transphober Gewalt kümmert oder HIV-Präventionsprogramme betreut. Die 40-Jährige setzte sich besonders für die Rechte von Sexarbeiterinnen ein.

Allein dieses Jahr wurden in Honduras schon elf LGBT-Personen ermordet

Sexuelle Minderheiten leben im krisengeschüttelten Honduras gefährlich: In Honduras wurden alleine 2019 bereits elf Mitglieder der LGBTI-Gemeinde ermordet, in den letzten zehn Jahren waren es 327 Morde. Die Täter haben dabei leichtes Spiel: In 96 Prozent der Fälle konnte nicht einmal ein Täter identifiziert werden.

Auch, wenn Homosexualität in Honduras seit 1899 legal ist, werden sexuelle Minderheiten wegen des vorherrschenden Machismo immer wieder diskriminiert. Für Trans-Personen gibt es zudem keine Art rechtlicher Anerkennung.