„Homo-Heilungen wirksam“: Israelischer Minister Rafi Peretz rudert zurück

Diese Behandlungen würden Diese würden „mehr Leiden als Hilfe“ schaffen, ist Peretz jetzt überzeugt

Rafi Peretz
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Am Wochenende empörte der ultrakonservative israelische Bildungsminister Rafi Peretz mit seinem Lob zu „Homo-Heiler“-Therapien – und dem Geständnis, dass er auch selbst an einer teilgenommen habe. Nun rudert der 63-jährige Vater von zwölf Kindern zurück.

Am Samstag lobte der Bildungsminister noch die Wirksamkeit solcher „Therapien“

Der Politiker antwortete in einem TV-Interview auf die Frage, was er von „Konversionstherapien“ halte,, dass das seiner Meinung nach möglich sei: „Ich kann Ihnen sagen, dass ich mit diesen Schulungsmethoden sehr vertraut bin und sie auch selber angewendet habe“, gab Peretz freimütig zu.

Es folgte ein empörter Aufschrei.„Ernsthafte psychologische Studien sind sich einig, dass man die sexuelle Ausrichtung nicht ändern kann und dass solche Therapien Jugendlichen Schmerz und Leid zufügen können, bis hin zu Selbstmordgedanken“, schrieb der offen schwule Justizminister Amir Ochana über Twitter.

Premierminister Netanjahu distanzierte sich, der luxemburgische Regierungschef boykottierte eine israelische Veranstaltung

Auch Premierminister Benjamin Netanjahu distanzierte sich von den Äußerungen seines Erziehungsministers. Er wies die Aussagen von Peretz als „inakzeptabel“ zurück, sie wären nicht die Position der Regierung. Auf den Straßen von Tel Aviv demonstrierten tausende Mitglieder der LGBT-Communmity und ihre Freunde, Lehrer drohten mit Streik.

Der Protest zog sogar internationale Kreise: So hat der offen schwule luxemburgische Premierminister Xavier Bettel deshalb das Abschiedsessen der scheidenden israelischen Botschafterin in Belgien und Luxemburg, Simona Frankel, boykottiert: Er könne nicht an Veranstaltungen Israels teilnehmen, solange sich ein Mitglied des Kabinetts für solche Praktiken einsetze.

Nun gibt sich der ultrakonservative Bildungsminister als „Homo-Versteher“

Nun rudert Peretz zurück. Wie die Jerusalem Post berichtet, hat der Minister am Dienstag in einem Brief an einen Schulleiter beteuert, er würde „Homoheilung“ kategorisch ablehnen. In dem Brief erklärt er, dass er während seiner Tätigkeit als Lehrer und Erzieher mehrmals von Schülern wegen ihrer sexuellen Orientierung angesprochen wurde.

„Ich habe mir immer aufmerksam ihre Verzweiflung angehört und ihnen gelegentlich empfohlen, sich mit Fachleuten in Verbindung zu setzen“, so Peretz. Allerdings: Von welchen „Fachleuten“ der Vorsitzende der Partei „Jüdisches Heim“ und der Union der rechten Parteien da redet, verriet er nicht.

„Ich habe meinen Schülern nie geraten, eine ‚Konversionstherapie‘ zu machen“, erklärt Rafi Peretz

„Ich habe ihnen jedoch nie die kalte Schulter gezeigt oder ihnen geraten, eine Konversionstherapie zu machen, gegen die ich mich entschieden verweigere“, betonte Peretz in dem Brief.

Die Ablehnung der „illegitimen“ Umpolungsversuche sei seine „unzweideutige Position“: Diese würden „mehr Leiden als Hilfe“ schaffen und „könnten sogar das Leben eines Menschen durch potenziellen Selbstmord gefährden, der verhindert werden kann“. Dann betont er: „Ich lehne diese Praxis entschieden ab.“ Bleibt zu hoffen, dass es sich hier um ehrliche Überzeugung handelt – und nicht um ein Lippenbekenntnis, um die wütende Menge zu beruhigen.

Rafi Peretz ist ein israelischer Militärseelsorger, orthodoxer Rabbiner, Brigadegeneral und Politiker. Erst seit Juni 2019 ist er Bildungsminister im Kabinett Netanjahus und gilt als höchst umstritten.