Polen: 28 Festnahmen nach Hooligan-Angriffen auf Parade in Bialystok

Die Härte der Angriffe war sogar der konservativen Innenministerin zu viel

Parade in Bialystok
K. Kadziewicz/Twitter

Nach gewaltsamen Ausschreitungen auf die erste LGBT-Parade in der ostpolnischen Stadt Bialystok hat die Polizei vorübergehend 28 Menschen festgenommen. Das bestätigt das Innenministerium in Warschau.

Hooligans und Rechtsradikale attackierten die friedlichen Demonstranten und die Polizisten, die sie schützen sollten

Hooligans und Rechtsradikale haben am Samstag die etwa 800 Teilnehmer die Teilnehmer des Marsches mit Steinen, Böllern und Flaschen attackiert. Auch die Polizisten, welche die Kundgebung schützen sollten, wurden zur Zielscheibe. Um die Ausschreitungen aufzulösen, wurde auch Pfefferspray eingesetzt, wie es unter Berufung auf die Polizei heißt.

Aktivisten auf Twitter zufolge attackierten die Angreifer auch Journalisten und prügelten Teilnehmer an der Parade krankenhausreif. Sie versuchten auch, eine Regenbogenflagge zu verbrennen – was ihnen aufgrund der EU-Vorschriften zum Brandschutz allerdings nicht gelang.

Der Polizeichef verspricht ein hartes Durchgreifen gegen die Hooligans

Die polnische Polizei ist nun fest entschlossen, gegen die gewaltsamen Demonstranten durchzugreifen: „Wir werden alle schnappen und zur Verantwortung ziehen, die während dem Gleichheits-Marsch in Bialystok das Gesetz gebrochen“, erklärt Polizeichef Jarosław Szymczyk.

Er teilte mit, dass im Zuge der Unruhen 28 Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen wurden und mehr als zehn weitere bereits identifiziert wurden. Er kündigte an, dass die Polizei auch mit Fotos nach den Ruhestörern fahnden werde.

Die Innenministerin verurteilte die Ausschreitungen scharf – obwohl ihre Partei sonst gerne gegen LGBT hetzt

Die Härte der Angriffe auf LGBT-Demonstranten in Bialystok sorgte auch innerhalb der rechtskonservativen Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS), die sonst gerne gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten wettert, für Entsetzen. Innenministerin Elzbieta Witek verurteilte die Ausschreitungen scharf. Die Polizei werde bei solchem Verhalten immer entschieden eingreifen, schrieb sie bei Twitter.

Vor allem in ländlichen und konservativ geprägten Regionen im Osten Polens werden LGBT-Bewegungen und Forderungen nach Gleichberechtigung als Gefahr für die traditionelle Familie gesehen. Die PiS nutzt diese Stimmung in der Regel, um sich als Hüter der traditionellen Werte zu etablieren.

Mit Angriffen auf sexuelle Minderheiten punktet man in Polen als Bewahrer traditioneller Werte

Als sich etwa der Warschauer Stadtpräsident Rafal Trzaskowski im Frühjahr für eine umfassende Sexualaufklärung an den Schulen ausgesprochen hatte, die auch LGBT-Themen aufgreift, machte die PiS daraus ein Wahlkampfthema. „Die LGBT- und Gender-Bewegung bedroht unsere Identität und unsere Nation. Sie bedroht unseren polnischen Staat“, warnte Parteivorsitzender Jaroslaw Kaczynski.

Der polnische Präsident Andrzej Duda sprach sich letztes Jahr sogar für ein Verbot von „Homo-Propaganda“ nach russischem Vorbild aus. Er betonte, dass LGBT-Rechte mit der Religionsfreiheit nicht vereinbar seien und das Konzept von LGBT-Rechten aus dem Ausland importiert sei.