Polen: Magazin verteilt Aufkleber für „LGBT-ideologiefreie Zonen“

Kritik begegnet der Chefredakteur, in dem er die LGBT-Community mit Nazis vergleicht

Aufkleber
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Der Kulturkampf konservativer Kräfte gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten in Polen wird immer schärfer. So legt das nationalkonservative Wochenmagazin Gazeta Polska seiner heutigen Ausgabe einen Aufkleber bei, der eine durchgestrichene Regenbogenflagge und die Worte „LGBT-ideologiefreie Zone“ zeigt.

Für die Kritiker sprechen die Aufkleber die Sprache des Nationalsozialismus

Ursprünglich wollte die Zeitung auf die Aufkleber sogar „LGBT-freie Zone“ schreiben – doch das führte zu heftigen Protesten. So verglichen etliche Nutzer das Motiv mit ähnlich plakativen Botschaften aus der Zeit des Nationalsozialismnus.

Mateusz Goździkowski, Politiker der „Wiosna“-Partei des offen schwulen Politikers Robert Biedroń, stellte den Aufkleber einem Bild der Synagoge in der polnischen Stadt Bydgoszcz gegenüber, an der die Nazis ein Transparent mit dem Aufdruck „Diese Stadt ist judenfrei“ angebracht hatten.

Der Warschauer Vizebürgermeister möchte wegen den Aufklebern die Staatsanwaltschaft einschalten

Auch der offen schwule Vizebürgermeister von Warschau, der Liberale Pawel Rabiej, sieht den Aufkleber in der Tradition des Nationalsozialismus. Er kündigte an, die Staatsanwaltschaft einschalten wozu wollen. Die „Kampagne gegen Homophobie“ erinnerte daran, dass LGBT seien „keine Ideologie“, sondern Menschen mit Fleisch und Blut. „Gemeinsam müssen wir die Welle des Hasses stoppen, die durch Polen schwappt“, Riegen sie ihre Anhänger auf.

Spätestens, nachdem in Bialystocx rechtsnationale Hooligans eine Pride-Parade stürmten, ist aber auch bei den Nationalisten mehr Fingerspitzengefühl gefragt. Tomasz Sakiewicz, der Chefredakteur der Gazeta Polska, kann die Aufregung um den Aufkleber trotzdem nicht verstehen. Er inszeniert sich stattdessen selbst als Opfer, nachdem Instagram einen Eintrag des Magazins mit dem Anti-Homo-Aufkleber gelöscht hatte, weil er gegen die Nutzungsbedingungen verstoße.

Der Chefredakteur der nationalkonservativen Zeitung sieht sich als Opfer von Zensur

„Zensur war typisch für den Nationalsozialismus, ebenso wie die Durchsetzung von Ideologie“, jammerte er daraufhin – und behauptete, niemand stünde dem Nationalsozialismus heute näher als die LGBT-Community – mit einem Verweis auf Ernst Röhm, dem schwulen SA-Chef, der später auf Befehl Hitlers umgebracht wurde.

Die Gazeta Polska kämpft mit dieser provokanten Aktion auch gegen einen beträchtlichen Auflagenschwund. Das Blatt, das einer der wichtigsten Unterstützer der rechtskonservativen Partei „Recht und Gerchtigkeir“ (PiS) ist, verlor zuletzt etwa ein Viertel seiner Käufer und rutschte unter die 80.000-Exemplare-Marke.