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Russische Behörden nehmen schwulem Paar seine Kinder weg

Trotz guter Erziehung: Gesetz gehen "Homo-Propaganda" als Vorwand

Regenbogenfamilie
Symbolbild - Fotolia

Dramatische Entwicklung für jenes schwule Paar aus Russland, das vor neun Jahren zwei Söhne adoptiert hatte: Die Behörden haben den beiden Männern nun ihre Kinder weggenommen – obwohl Psychologen bestätigt hatten, dass es den beiden Buben in der Regenbogenfamilie gut geht.

Als eines der Kinder ins Krankenhaus musste, kam der Fall ins Rollen

Der Fall kam am 19. Juli ins Rollen, als die beiden Väter einen ihrer Söhne mit Verdacht auf Blinddarmentzündung in eine Moskauer Notaufnahme brachten. Als der behandelnde Arzt feststellte, dass der Bub zwei Väter hatte, zeigte er das bei der zuständigen Behörde an.

Diese nahm sich zunächst die Sozialarbeiter vor und zeigte sie wegen „krimineller Nachlässigkeit“ an. So sollen sie die Lebensverhältnisse der Kinder nicht ausreichend überwacht haben und diese dadurch nicht vor „gesundheits- und entwicklungsschädlichen Informationen“ geschützt haben. Gemeint ist damit das Aufwachsen bei einem Männerpaar. Den Sozialarbeitern drohen nun Geldstrafen, gemeinnützige Arbeit oder gar bis zu sechs Monaten Gefängnis.

Die Buben müssen aus der Familie „entfernt“ werden, so die Behörde

Nun ordnete der zuständige Untersuchungsausschuss an, dass die Behörden die zwölf und 14 Jahre alten Buben umgehend aus der Familie „entfernt“ werden müssten. Das Grund dafür: Eine Familie mit zwei Vätern verstoße gegen das international umstrittene Gesetz gegen „Homosexuellen-Propaganda“ Das Gesetz, das seit gut sechs Jahren in Kraft ist, verbietet praktisch jede positive und neutrale Darstellung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in der Öffentlichkeit.

Mehrmals versuchten die Behörden, die Wohnung der Väter zu durchsuchen, brachen schließlich die Türe auf. Eine Videoaufzeichnung, die in sozialen Netzwerken kursiert, zeigt, wie die Beamten die Wohnung der Familie durchsuchen. Einen der beiden Väter verhörten sie schließlich mehrere Stunden lang.

Eine glückliche Familie wird durch das „Anti-Propaganda-Gesetz“ zerstört

„Dies ist das erste Mal, dass die russischen Behörden dieses Gesetz anwendeten, um die Entfernung von Kindern aus ihrem Zuhause zu rechtfertigen“, erklärte LGBT-Aktivistin Polina dem britischen Portal Gay Star News: „Es gab nie Anzeichen von Schwierigkeiten, die Kinder wuchsen in einer intelligenten und ruhigen Atmosphäre auf, die Eltern kümmerten sich rührend um ihre Kinder“, erklärt Polina.

Die Community in Russland unterstützt die Regenbogenfamilie nach Kräften. So haben sich die LGBT-Gruppe „Stimul“ aus Moskau und „Coming Out“ aus St. Petersburg zusammengeschlossen, um der Familie eine angemessene juristische Unterstützung zu ermöglichen. Denn sie wissen: Die Entscheidung in diesem Fall hat Auswirkungen auf alle weiteren Regenbogenfamilien in Russland.

Nun sind alle Regenbogenfamilien in Russland in Gefahr

„Es wurde deutlich, dass gleichgeschlechtliche Familien mit Kindern nach diesem Gesetz die am stärksten gefährdete Gruppe sein würden, da sie nach diesem Gesetz jeden Tag Propaganda betreiben – nur weil sie eine Familie sind. Wir haben alle Angst um die Familien mit Adoptivkindern, weil es so einfach ist, Adoptionen zu annullieren und Familien zu trennen“, beklagen sowohl die Aktivisten als auch die Anwälte.

Die Anwälte der Väter argumentieren, das Gesetz sei so vage beschrieben, dass überhaupt nicht klar sei, welche Handlungen illegal seien und welche nicht. „Das einzige, was LGBTQ-Menschen jetzt tun können, ist, unsichtbar zu bleiben, ihre sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität weiterhin zu verbergen und ihr soziales Umfeld anzulügen“, so Polina.

Nachbarn und Experten loben die Erziehung des Männerpaars – doch das ist den Behörden egal

Zwar ist die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare in Russland verboten, alleinstehende Personen können aber Kinder adoptieren. Und so hatte einer der beiden Männer die beiden Burschen im Jahr 2010 vollkommen legal adoptiert. Die zuständige Adoptionsagentur besuchte die Wohnung der Familie bis zuletzt und bescheinigte mehrfach die „gute Betreuung und Erziehung“ der Kinder.

Auch die Nachbarn, die bei der Wohnungsdurchsuchung anwesend waren, bescheinigten lokalen Medien „ein gutes Zusammenleben und ausgezeichnete Elterneigenschaften“, ergänzt Aktivistin Polina. Auch ein Psychologe, der die Familie untersuchte, fand keine Hinweise über den „angeblichen Missbrauch“, der den Männern vorgeworfen wird. Im Gegenteil: Der Psychologe bestätigte eine „gesunde und enge emotionale Verbindung zwischen Eltern und Kindern“.

Ob die beiden Kinder zu ihren Eltern zurück dürfen, entscheidet nun ein russisches Gericht. „Es sieht nicht gut aus“, sagt Polina verzweifelt. Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich zu diesem Fall bis jetzt noch nicht geäußert.