LGBT-Portal GayStarNews muss Insolvenz anmelden und Betrieb einstellen

Viele Leser, aber kein Interesse der Wirtschaft - auch nicht der "LGBT-Freunde"

Screenshot GayStarNews
Screenshot GayStarNews

Die britische LGBT-News-Seite GayStarNews hat ihren Betrieb eingestellt. Die Betreiberfirma mit ihren rund 20 Beschäftigten musste Insolvenz anmelden – obwohl das Interesse der Leserinnen und Leser so groß ist wie nie zuvor. Denn immer mehr Unternehmen schmücken sich zwar gerne mit Regenbogen-Logos, Werbeschaltungen in Community-Medien gibt es aber selten.

Für viele Firmen ist ihre Unterstützung zur LGBT-Community nur ein Lippenbekenntnis – das spüren Szenemedien besonders

Sieben Jahre lieferte GayStarNews von London aus Nachrichten aus so ziemlich allen Bereichen, die für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten interessant sind. Doch das wurde von den Werbetreibenden nicht honoriert: „Statt mit uns zu arbeiten und sich das ganze Jahr über mit LGBTIQ-Personen zu befassen, tauchen sie ihr Logo während der Pride-Woche oder des Pride-Monats in Regenbogenfarben und – im Idealfall – spenden einen kleinen Betrag an eine LGBTIQ-Organisation“, schreiben die Gründer Tris Reid-Smith und Scott Nunnin ihrer Abschiedsnachricht.

Teilweise würden die selben Firmen auch LGBT-feindliche Politiker mit Millionenspenden unterstützen. „Das ist Alibimarketing vom schlimmsten“, so die beiden GayStarNews-Gründer. Auch die Unsicherheit rund um den Brexit habe zum Ende der Seite beigetragen: Viele Firmen hätten ihre Entscheidungen verschoben, Projekte seien abgesagt worden. „Es überrascht niemanden, dass viele Medien mit demselben Problem kämpfen“, so Reid-Smith und Nunnin.

Mit ihren Mitbewerbern war das Verhältnis immer korrekt – das Problem war das „Alibimarketing“ der großen Firmen

Ihren direkten Konkurrenten, seiten wie PinkNews oder Attitude, streuen die beiden GayStarNews-Gründer hingegen Rosen: „Das sind unsere Freunde. Unsere gemeinsamen Feinde waren stets Apathie und das Alibimarketing“, schreiben sie: „Wenn Firmen und Sponsoren uns als LGBTIQ-Personen nur halb so ernst nehmen würden, wie wir es verdienten, gäbe es mehr von uns und wir wären sehr erfolgreich.“

Denn die Zugriffszahlen für GayStarNews sind so hoch wie nie zuvor. „Es ist ein trauriges Paradox, dass unsere Beliebtheit nicht unser Überleben sichern konnte. Wir sind überzeugt, dass wir den Betrieb in einer Zeit einstellen, in der Menschen mehr denn je unsere Dienstleistung wollen und brauchen“, so Reid-Smith und Nunn abschließend.

Die Mitarbeiter erfuhren erst am Montag vom Ende ihres Jobs. Ein Mitarbeiter sagte der Press Gazette, das Team sei am Montag in den Gemeinschaftsraum gerufen worden. Dort sei die Insolvenz angekündigt worden – für den zurückliegenden Monat erhalte man kein Gehalt mehr.