Polen: LGBT-Aktivisten konnten unter Polizeischutz ohne Behinderungen marschieren

Marsch in Plock konnte ohne größere Probleme stattfinden

Regenbogenflagge
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In aufgeladener Atmosphäre, aber ohne gröbere Zwischenfälle fand am Samstag in der polnischen Stadt Plock ein Gleichheitsmarsch der LGBT-Community statt. Ein großes Aufgebot von hunderten Polizisten schützte die etwa 2.000 Teilnehmer und ihre Unterstützer vor etwa hundert rechtsgerichteten Gegendemonstranten.

Etwa 200 Teilnehmer marschierten unter Polizeischutz durch die Stadt

Medienberichten zufolge zogen die Teilnehmer ab 14.00 Uhr zwei Stunden lang friedlich durch die Innenstadt der 120.000 Einwohner zählenden Stadt, die etwa 100 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Warschau liegt. Mit Musik, guter Stimmung und politischen Parolen demonstrierten sie für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten.

Besondere Aufmerksamkeit bekam dabei ein Block mit den Eltern von LGBT-Kindern. Auf einem Plakat stand: „Der Mann meines Sohnes gehört zu meiner Familie“, auf einem anderen „Liebe Kinder, wir demonstrieren für eure Rechte“.

Auch die progressive Politik unterstützt die LGBT-Bewegung in Polen

Die Schirmherrschaft an dem Marsch hatte Bürgermeister Andrzej Nowakowski übernommen, an der Demonstration nahm auch der offen schwule Politiker Robert Biedron teil. Er hatte mit seiner neu gegründeten Partei „Wiosna“ (Frühling) bei der Europawahl sechs Prozent der Stimmen geholt und gilt als liberale Hoffnungsfigut.

Der Gleichheitsmarsch wurde nach gewaltsamen Vorfälllen in der nordostpolnischen Stadt Bialystok genau beobachtet: Vor drei Wochen hatten dort Hooligans die etwa 800 LGBT-Demonstranten unter anderem mit Flaschen, Pflastersteinen und Knallkörpern beworfen und wurden auch danach noch auf der Straße verfolgt. Die römisch-katholische Kirche und polnische Nationalisten hatten zuvor gegen den Marsch gehetzt.

Gegendemonstranten konnten die Parade nicht stören, es gab nur vereinzelte Zwischenfälle

Im Gegensatz zu Bialystok verlief die Parade in Plock relativ ruhig: Den Gegendemonstranten gelang es nicht, die Strecke des Marsches zu blockieren. Unter ihnen waren vor allem junge Nationalisten, Hooligans und Anhänger der „Allpolnischen Jugend“. Sie hatten sich am Rand der Demonstrationsroute versammelt und LGBT-feindliche Botschaften verbreitet.

Unter ihnen war auch der in Polen bekannte ehemalige MMA-Kämpfer Marcin Rózalski, der aus Plock stammt. Er behauptete, dass keiner der Teilnehmer am Gleichheitsmarsch aus seiner Heimatstadt komme. „Die wurden hierher gebracht, um hier ihren Mist abzuladen und die Polen zu spalten“, meinte der 42-Jährige.

Vereinzelt wurden auch Böller oder Eier auf die Teilnehmer geworfen, die Polizei hatte die Lage allerdings im Griff und nahm einige Störer und gewalttätige Gegendemonstranten sofort fest. Während der Abschlusskundgebung gab es ein größeres Gerangel.

Unter den Zuschauern waren auch wohlwollende Bewohner von Plock

Doch nicht nur Gegendemonstranten säumten den Marsch der Teilnehmer. Auch neugierige Bürger von Plock und Unterstützer standen am Rand der Strecke und unterstützten die Parade. So applaudierte etwa ein frisch vermähltes Ehepaar in Richtung des Zuges – und dieser jubelte erfreut zurück.

Insgesamt soll es in diesem Jahr in Polen 25 Pride-Märsche geben – ein neuer Rekord für das katholisch-konservative Land. Und die Europäische Union wird sich genau ansehen, ob die LGBT-Community bei diesen Demonstrationen ihre Grundrechte unbeschadet in Anspruch nehmen kann.