Prague Pride: Eine strahlende Parade trotzt dem Regenwetter

Die tschechische Community kämpft um Anerkennung in der Öffentlichkeit

Prag
Mikel Iturbe Urretxa - CC BY 2.0

Trotz unfreundlichen Regenwetters haben bis zu 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wochenende in der tschechischen Hauptstadt an der Prague Pride teilgenommen. Sie hat heuer bereits zum neunten Mal stattgefunden. Die Teilnehmer zogen mit bunten Schirmen, Regenbogenflaggen und Plakaten durch die historische Altstadt der Moldaumetropole.

Händchenhalten ist für schwule und lesbische Paare in Tschechien keine Selbstverständlichkeit

Dieses Jahr hatte die Prague Pride das Motto „Gemeinsam in nächster Nähe“. Zu den Zielen der Veranstalter gehörte, die Bevölkerung für  mehr Toleranz bei gleichgeschlechtlichen Zuneigungsbekundungen in der Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Denn das ist auch in Tschechien, das in diesem Punkt als liberalstes Land des ehemaligen Ostblocks gilt, noch keine Selbstverständlichkeit.

Auch wenn Homosexualität in der Tschechoslowakei bereits 1962 entkriminalisiert wurde, waren Lesben und Schwule im Alltag immer wieder Repressalien des kommunistischen Staates ausgesetzt: Schikanen und Erpressungen durch Polizei und Behörde waren keine Seltenheit. 

Besonders ältere Schwule und Lesben leiden noch unter den Erfahrungen während des Kommunismus

„Ich habe das jahrelang verheimlicht. Niemand durfte wissen, dass ich eine Frau liebe und sonst niemanden will. Dieses Leben war sehr schwer. Es bedeutete, sich jeden Tag 24 Stunden zu verstellen und zu lügen”, erinnert sich beispielsweise die 71-jährige Jana Kociánová im Gespräch mit dem tschechischen Radio

Doch auch außerhalb der großen Städte gibt es noch heute jede Menge Vorbehalte. „Ich würde mir nicht herausnehmen, mit meinem Freund an der Hand durch meine Heimatstadt zu laufen“, erklärte ein 47 Jahre alter Teilnehmer der Prager Parade. Auch am Arbeitsplatz wolle er sich lieber nicht outen, fügte er hinzu.

„Liebe ist Liebe – man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt“, sagte hingegen eine 19-Jährige aus dem Norden Tschechiens. Dazu passend sind die diesjährige Plakataktion und das offizielle Video der Prague Pride. Sie zeigen die Hände von jeweils zwei Frauen und zwei Männern, die einander entgegengestreckt sind, sich aber nicht berühren können.

Kleine Zwischenfälle am Rand der Parade

Am Rande der Prague Pride gab es auch Gegendemonstrationen: Streng christliche Gruppen hielten Schilder hoch, auf denen Slogans wie „Tschechien ist nicht Sodom und Gomorrha“ zu sehen war. Es kam während der Parade allerdings zu keinen größeren Zwischenfällen zwischen Paradenbesuchern und Gegendemonstranten.

Die Polizei war mit Anti-Konflikt-Teams vor Ort. Außerdem sorgten Pride-Teilnehmer in Engelskostümen mit hohen Flügeln dafür, dass die Teilnehmer die Hassbotschaften der Paradengegner nicht sehen konnten.

Einige Zwischenfälle gab es allerdings im Umfeld der Parade am Samstag: So wurden auf mehreren Brücken die dort aufgehängten Regenbogenflaggen gestohlen oder angezündet. Eine Gruppe von Pride-Besuchern wurden am Freitagabend auf der Schützeninsel von Unbekannten mit Feuerwerkskörpern beschossen.

In Tschechien können gleichgeschlechtliche Paare seit 2006 eine Eingetragene Partnerschaft eingehen. Eine Öffnung der Ehe ist in Planung, bis jetzt aber durch Tricks in der Geschäftsordnung im Parlament gescheitert. Der Tagesordnungspunkt wurde auf unbestimmte Zeit vertagt – was die Teilnehmer der Prague Pride auch kritisierten. Mehr als die Hälfte der Einwohner Tschechiens unterstützen die Öffnung der Ehe.