Homosexuellen-Mahnmal in Berlin wieder beschädigt

Fünf Vorfälle innerhalb von drei Monaten: Kommt jetzt eine Videoüberwachung?

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
LSVD Berlin-Brandenburg

Unbekannte haben am Sonntag in Berlin-Tiergarten das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen erneut beschädigt. Die Täter konnten unerkannt entkommen, jetzt rückt eine Videoüberwachung des Mahnmals immer näher.

Das Mahnmal wurde mit schwarzer Farbe beschmiert

Der Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma bemerkte am Sonntagabend, dass das Denkmal mit schwarzer Farbe beschmiert worden war. Daraufhin verständigte er die Polizei. Nun ermittelt, wie bei allen Hassverbrechen, der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin.

Die Chancen, dass der Täter gefasst wird, sind übrigens sehr gering: Denn das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wird immer wieder zur Zielscheibe für Vandalen. Seit seiner Einweihung vor elf Jahren wurde das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen immer wieder beschädigt.

Schon drei Monate nach der Einweihung wurde das Denkmal zum ersten Mal beschädigt

Das erste Mal wurde drei Monate nach der Einweihung das Fenster eingeschlagen. Bei dem aktuellen Vorfall handelt es sich um die fünfte Beschädigung innerhalb von vier Monaten. Das letzte Mal wurde das Sichtfenster am 18. August von Unbekannten mit Farbe beschmiert – genauso wie zuvor am 9. und am 30. Juni sowie am 4. August. Gefasst wurde bis jetzt noch kein einziger Täter.

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Berlin-Brandenburg hat deshalb letztes Jahr eine Mitgliederbefragung durchgeführt, ob das Denkmal videoüberwacht werden soll. Dabei stimmten 76,2 der Befragten für eine Überwachung, 23,8 Prozent waren dagegen.

Video-Überwachung des Mahnmals rückt näher

Verantwortlich für die Videoüberwachung wäre die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die auch dieses Mahnmal mitbetreut. Die entsprechenden Bemühungen dafür liefen bereits, heißt es seitens der Stiftung. Man befinde sich im Austausch mit den zuständigen Behörden. „Wir haben unser Ansinnen vor der Hintergrund der aktuellen Beschädigungen nochmals unterstrichen“, so die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme.

Das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen wurde auf Beschluss des Deutschen Bundestages errichtet. Der Entwurf stammt von den Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset.

Sie wollten dabei die Formensprache des benachbarten Holocaust-Denkmals aufnehmen und um ein Element ergänzen: Ein Sichtfenster, durch das man das Video eines gleichgeschlechtlichen Kusses sieht, der in Dauerschleife läuft. Zu Beginn war es ein Männerkuss, der 2010 von zwei küssenden Frauen abgelöst wurde.