Zürich: Schwules Paar wurde mitten in der Innenstadt verprügelt

Fünf Männer schlugen zu, "weil ihr schwul seid"

Danile G.
Danile G./Facebook

In Zürich ist ein schwules Paar am Wochenende brutal zusammengeschlagen worden. Davide G. und sein Freund wurden mitten in der Innenstadt von fünf Männern verprügelt. Das berichtet die Zeitung 20 Minuten.

Die beiden Männer knutschten nach einer Partynacht herum, als sie plötzlich beleidigt wurden

„Ich war in der Nacht von Freitag auf Samstag mit Freunden in einem Club im Zürcher Niederdorf und knutschte danach auf dem Hirschenplatz auf einer Bank mit einem Freund rum“, erinnert sich der 26-Jährige an den Abend.

Plötzlich bemerkte das Paar, dass es aus der Ferne beschimpft wurde. Dabei seien Wörter wie „Schwuchteln, Arschlöcher und Missgeburten“ gefallen. Sie versuchten zunächst, die Beschimpfungen bewusst zu ignorieren.

Sie wurden zur Zielscheibe, weil sie schwul sind

Doch dann kamen die Angreifer näher. Die fünf Jugendlichen spuckten das Paar an und bewarfen es mit einem Feuerzeug. Als Davide G. die Angreifer nach dem Grund für ihr aggressives Verhalten fragte, antworteten sie: „Weil ihr schwul seid“.

Kurz darauf gingen die fünf Jugendlichen auf Davide los. Er wehrte sich und schlug zurück. „Ich habe einen von ihnen erwischt, er blutete an der Nase“, erzählte er nachher der Schweizer Boulevardzeitung Blick. Wenige Augenblicke später wurde er zu Boden geschlagen.

Als ihm sein Freund zu Hilfe kommen wollte, verprügelten die Angreifer auch ihn. „Als wir beide am Boden lagen, prügelten und traten sie weiter auf uns ein“, erinnert sich der 26-Jährige.

Türsteher kamen dem Paar zu Hilfe und alarmierten die Polizei

Hilfe kam in Form von einigen Passanten, die zu der Szenerie eilten und die Angreifer anschrien. Die Türsteher eines nahe gelegenen Clubs beruhigten die Situation und alarmierten die Polizei. Die fünf Angreifer flüchteten daraufhin unerkannt in Richtung Hauptbahnhof.

Die Polizisten fotografierten die Verletzungen des schwulen Paares, danach wurden die beiden in die Universitätsklinik Zürich gebracht. Dort ist Davide G. noch immer: Heute Mittag wurde seine mehrfach gebrochene Nase operiert. Eine Platzwunde auf der Nase und seine offene Lippe wurden genäht. Außerdem wurden ihm bei der Prügelei zwei Zähne ausgeschlagen.

„Dieses Ohnmachtsgefühl ist kaum auszuhalten“

„Wenn mich das nächste Mal jemand fragt, wie sich Homophobie anfühlt, zeige ich dieses Bild“, postete der 26-Jährige auf Facebook. Dass man als schwuler Mann wegen seiner sexuellen Orientierung zusammengeschlagen wird, schockiert ihn. „Dieses Ohnmachtsgefühl ist kaum auszuhalten“, schreibt er.

Sein Freund konnte das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen. „Auf seinem Kopf war sogar noch ein Schuhabdruck zu sehen“, erinnert sich Davide gegenüber Blick.

Die Täter konnten flüchten – nun sucht die Polizei nach Zeugen

Nun sucht die Stadtpolizei Zürich nach Zeugen. Die fünf Angreifer sind etwa 25 Jahre alt und zwischen 170 cm und 180 cm groß. Einer der Männer soll eine Camouflage-Jacke getragen haben, ein anderer ein kariertes Hemd. Auch Davide G. ruft die Community auf, Hinweise an die Polizei weiterzuleiten, damit die Täter gefasst werden können.

Dass es sich um ein Hassverbrechen gehandelt hat, ist in der offiziellen Pressemitteilung der Polizei übrigens nicht zu lesen. Da ist nur von einem „verbalen Streit“ und einer „anschließenden tätlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen“ die Rede.

Für Davide G. ist es auch deshalb wichtig, dass innerhalb der LGBT-Community solche Angriffe thematisiert werden. „Leider gibt es immer noch Unmenschen, die solche Dinge tun. Zeigt euch deshalb und wehrt euch. Schweigen bringt niemandem etwas!“, sagt er. Wie oft es in der Schweiz solche Angriffe gibt, weiß aber niemand. Eine offizielle Auswertung dieser Hassverbrechen gibt es nämlich nicht.