Ukraine: Erfolgreiche Pride – doch danach wurden Teilnehmer gejagt

2.000 Teilnehmer bei der Demonstration - und Zwischenfälle nach der Parade

Kharkiv Pride
Kharkiv Pride/Facebook

Ein Erfolg war die erste Pride in Kharkiv, der zweitgrößten Stadt der Ukraine: Trotz Gegendemonstrationen konnten mehr als 2.000 Teilnehmer am Sonntag friedlich für die Gleichberechtigung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten demonstrieren. Doch nach dem offiziellen Ende der Pride kam es in den Straßen von Kharkiv zu erschreckenden Szenen.

Vor allem junge Menschen marschierten für mehr LGBT-Rechte in der Ukraine mit

Vor allem junge Menschen folgten dem Ruf der Veranstalter und demonstrierten laut und stolz für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBT-Personen. Die Veranstalter werteten die Teilnehmerzahl als großen Erfolg, da nationalistische Gruppen im Vorfeld Gewalt angedroht hatten.

Dabei stand die Pride anfangs unter keinem guten Stern: Nachdem konservative Kreise Gewalt gegen die Veranstaltung angedroht hatten, wollte Bürgermeister Hennadiy Kernes die Pride verbieten. Daraufhin haben internationale Organisationen wie Amnesty International die ukrainischen Behörden aufgefordert, die Veranstaltung zuzulassen und für die Sicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu sorgen.

Die Teilnehmer konnten zwei Stunden lang auf einem Platz hin- und hermarschieren

So wurde die erste Pride in Kharkiv auf dem zentralen Freiheitsplatz, einem der größten Plätze Europas, genehmigt, auf dem die Teilnehmenden etwa zwei Stunden lang hin und her marschieren konnten. Geschützt wurden sie dabei von einem massiven Polizeiaufgebot. Immer wieder versuchten Gegendemonstranten, die friedliche Veranstaltung zu stören. Die Einsatzkräfte mussten mehrfach eingreifen, um die Pride zu schützen.

Und das gelang der Exekutive zunächst ganz gut: Vereinzelt flogen zwar Eier auf die Teilnehmer der Pride, Medienberichten zufolge blieb es zunächst aber friedlich. Parallel hatten sich rund 500 Nationalisten und Hooligans, einige Gläubige und orthodoxe Priester zu einem „Marsch für traditionelle Werte“ versammelt.

Nach der Veranstaltung griffen einige Hooligans die Teilnehmenden der Pride brutal an

Doch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung kam es zu erschreckenden Szenen. Nationalisten und Hooligans griffen mehrere Teilnehmer brutal an und jagten sie durch die Straßen von Kharkiv.

Medienberichten zufolge wurden zwei Besucher durch Tritte und Schläge verletzt, später verletzten die Hooligans auch zwei Polizisten. Die Polizei musste die rechtsextremen Gegendemonstranten mit Reizgas stoppen, 17 Personen wurden festgenommen, einige von ihnen bei der Belagerung einer Polizeiwache.

Pride-Veranstaltungen sind in der Ukraine einem starken Gegenwind ausgesetzt, Homophobie ist in dem Land weit verbreitet: Bei der Kiew Pride im Juni mussten mehr als 7000 Polizisten die Teilnehmenden vor rechen Nationalisten schützen. Das Stadtzentrum wurde dabei – wie auch in den Vorjahren – aus Sicherheitsgründen weitgehend abgeriegelt.