Emmy-Verleihung: Eine Sternstunde queerer TV-Geschichte

Billy Porter, Ben Whishaw, Queer Eye und Ru Paul räumen bei der 71. Emmy-Verleihung ab

Billy Porter
Fox/Emmys

US-Schauspieler Billy Porter hat in der Nacht auf heute Geschichte geschrieben: Als erster offen schwuler Afroamerikaner hat er einen Emmy als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie bekommen: Seine Rolle als Pray Tell in „Pose“ überzeugte die Jury. Und auch sonst waren queere Inhalte bei der 71. Emmy-Verleihung hoch im Kurs.

Billy Porter wird der erste schwule Schwarze, der einen Emmy als bester Hauptdarsteller erhält

„Wieder einmal erleben wir, wie sich die Geschichte entfaltet. Der Emmy geht an Billy Porter“, sagte Schauspielerin Kerry Washington bei der Bekanntgabe des Gewinners. Anschließend betrat der 50-Jährige in seinem extravaganten Outfit die Bühne.

 „Es hat viele Jahre gedauert, bis ich den ganzen Dreck, den ich mir über mich selbst beigebracht habe, wieder hochgewürgt hatte und halbwegs an mich geglaubt habe, bevor ich auf dieser Erde herumlaufen konnte und das Gefühl hatte, ein Recht zu haben, hier zu sein“, zitierte Porter in seiner Dankesrede den verstorbenen Autor James Baldwin: „Ich habe das Recht, du hast das Recht – wir haben alle dieses Recht“, machte er klar.

Der Preis für Porter ist auch eine Verbeugung vor der Community

Hinter der Bühne sagte Porter, er sei froh, dass er mit seinem „echten, authentischen Ich“ den Preis gewonnen hatbe „Mir wurde gesagt, dass ich mit dem, was ich bin, nie Erfolg haben werde. Punkt“, so Porter. „Das ist es, was sie mir gesagt haben. Ich habe ihnen nicht geglaubt.“

„Pose“ erzählt die Geschichte der Ballroom Community im New York der 1980er- und 1990er-Jahre. Die Serie hat den größten Cast an LGBT-Personen aller Personen, eine besonders wichtige Rolle nehmen dabei Trans-Personen ein. Derzeit läuft die zweite Staffel der Serie im US-Kabelsender FX.

Ben Whishaw dankt auf der Bühne seinem Mann

Ein Emmy als bester Nebendarsteller in einer Miniserie ging an einen offen schwulen Schauspieler, der auch in seiner Rolle einen Schwulen spielt: Der Brite Ben Whishaw überzeugte in seiner Rolle in der BBC-Miniserie „A Very English Scandal“: Darin geht es um die wahre Geschichte des britischen Politikers Jeremy Thorpe, gespielt von Hugh Grant, der über eine Affäre mit seinem früheren Lover Norman Scott, gespielt von Whishaw, zu stolpern droht.

In seiner Dankesrede nannte Whishaw Norman Scott „einen echten queeren Helden und eine Ikone“ und widmete ihm den Preis. Scott sei „mit Mut und Trotz dem Establishment entgegengetreten“, das finde er „absolut inspirierend“. Weiters dankte er Regisseur Stephen Frears und allen Schauspielkollegen, allen voran Hugh Grant – sowie seinem Partner Mark, „für seine Liebe und seine Unterstützung und dafür, mich einigermaßen normal zu halten“.

Überraschungssieger „Fleabag“, je vier Trophäen für „Queer Eye“ und „Ru Paul’s Drag Race“

Überraschend war der Erfolg der Serie „Fleabag“, die drei Emmys erhielt. Einer der Preise ging an Hauptdarstellerin Phoebe Waller-Bridge als beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie. In der aktuellen Staffel entdeckt ihre Figur deren Bisexualität. Die Serie gewann auch den Preis als beste Comedy-Serie. „Jetzt wird es aber wirklich albern“, sagte Waller-Bridge in ihrer Dankesrede, nachdem sie auch noch den Preis für das beste Drehbuch erhalten hatte.

Einer der großen Gewinner des Abends war auch die Netflix-Serie „Queer Eye“. Sie gewann insgesamt vier Emmys, unter anderem auch jenen als beste Reality-Serie des Jahres. Einer der Hauptpersonen der Serie, Jonathan Van Ness, hatte sich erst kurz zuvor als HIV-positiv geoutet. Auch „RuPaul’s Drag Race“ ging mit vier Emmys nach Hause – unter anderem gewann die Serie den Preis als bester Wettbewerb im TV.