Schwulen-Aktivist in Uganda zu Hause brutal ermordet

Weil er schwul war, kam seine Familie nicht zum Begräbnis

Wasswa Brian John
COSF/Facebook

In Uganda ist am Freitag ein bekannter LGBT-Aktivist in seinem eigenen Haus überfallen und ermordet worden – keine 24 Stunden, nachdem ein Minister Homo- und Transsexuellen als Terroristen bezeichnet hat. Das berichtet die Children of the Sun Foundation (COSF), die sich für LGBT-Personen und Sexarbeiter engagiert.

Unbekannte drangen in das Haus des Aktivisten ein und attackierten ihn

Es war am Freitag gegen 4.30 Uhr früh, als Unbekannte das Haus des LGBT-Aktivisten Wasswa Brian John in der 80.000-Einwohner-Stadt Jinga im Osten des Landes stürmten. Sie attackierten ihn mit Pangas, einer in Afrika weit verbreiteten Art Machete. Samit fügten sie ihm mit der Waffe zehn lebensbedrohliche Kopfwunden und weitere stark blutende Wunden am Nacken zu.

Dann ließen sie ihr Opfer blutend zurück. Ärzte versuchen, den LGBT-Aktivisten zu retten – doch ohne Erfolg: Am Samstag starb der Aktivist schließlich an den Folgen des Angriffs. „Ein trauriger Moment für die LGBTIQ-Community in Uganda“, erklärte ein COSF-Sprecher.

Nicht der erste Mord an einem LGBT-Aktivisten in Uganda

Nach Informationen der Organisation sei es mittlerweile „bestätigt“, dass es sich bei der Attacke auf John um einen schwulenfeindlichen Angriff gehandelt habe. Am Sonntag wurde Wasswa Brian John beigesetzt. Unter den Trauernden waren viele Freunde und Aktivisten – im Gegensatz zu den Familienmitgliedern, die sich schon zu Lebzeiten von ihm losgesagt hatten, weil er schwul war.

Wasswa Brian John ist nicht der erste LGBT-Aktivist, der einem Meuchelmord zum Opfer fällt. Im Jahr 2011 war bereits der Aktivist David Kato in seinem eigenen Haus erschlagen worden – wenige Wochen, nachdem eine große Boulevardzeitung ihn und andere Lesben und Schwule geoutet hatte – mit der Schlagzeile „Kill them“.

Für die Regierung sind Homo- und Transsexuelle „Terroristen“

Erst einen Tag vor dem Angriff hatte ein hochrangiges Regierungsmitglied Homo- und Transsexuelle mit Terrorismus in Verbindung gebracht. „Sie ist verbandelt mit LGBT und Krytowährungen und Dingen, die die anerkannte Ordnung der Dinge kaputtmachen wollen“, erklärte Sicherheitsminister Elly Tumwine im Fernsehen.

Gewalt gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten ist in Uganda an der Tagesordnung. Dabei profiliert sich auch Staatschef Yoweri Museveni immer wieder durch homophobe Aussagen. So beschuldigte er letztes Jahr „den Westen“, afrikanischen Staaten Homosexualität aufzwingen zu wollen – obwohl das Verbot für gleichgeschlechtliche Handlungen eigentlich auf die britische Kolonialzeit zurückgeht.

In den letzten Jahren wurden die Gesetze dann noch einmal verschärft: Seitdem drohen Schwulen und Lesben in Uganda teils lebenslange Haftstrafen. Doch selbst das war den Abgeordneten noch nicht genug: Sie diskutierten vor einigen Jahren über ein Gesetz, das unter bestimmten Voraussetzungen die Todesstrafe für Schwule und Lesben vorsah.