Kein queerer SPÖ-Nationalrat: HOSI Wien kritisiert Rendi-Wagner

Ohne Mario Lindner fehle der SPÖ ein „glaubwürdiger Ansprechpartner im Nationalrat“

Mario Lindner
Parlamentsdirektion/Thomas Topf

Dass ausgerechnet die SPÖ im neuen Nationalrat keinen offen queeren Abgeordneten hat, empört die HOSI Wien. Die LGBTIQ-Community werde die Sozialdemokratie nun an ihren Taten messen, schreibt der Verein in einem Offenen Brief an die Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner.

Lindner als schwuler Mandatar machte „Tausenden Menschen in ganz Österreich Hoffnung“

„Als Mario Lindner im Jahr seiner Bundesratspräsidentschaft sein Coming-out auf der von uns organisierten Regenbogenparade hatte, hat er damit Mut bewiesen. Er wurde damit zum ersten offen schwul lebende Parlamentarier der SPÖ und machte dadurch Tausenden Menschen in ganz Österreich Hoffnung, besonders auf dem Land“, beginnt der Vorstand der HOSI Wien seinen Brief.

Lindner sei ein „glaubwürdiger Ansprechpartner im Nationalrat“ gewesen, ein „starker Bündnispartner“, der mit den Organisationen der Community „auf Augenhöhe“ zusammengearbeitet habe, heißt es weiter. Er sei in der queeren Community präsent gewesen und hätte Politik so „für viele überhaupt erst greifbar“ gemacht.

Zwei Jahre harte Arbeit für die Community werden nun in der SPÖ nicht mehr fortgesetzt

Zu seinen Leistungen in den letzten zwei Jahren würden unter anderem das Verbot von Konversionstherapien an Minderjährigen oder die Öffnung der Ehe für binationale gleichgeschlechtliche Paare gehören, arbeitet die HOSI Wien in ihrem Schreiben an die SPÖ-Vorsitzende heraus.

Umso herber ist für die HOSI Wien die Enttäuschung, dass Mario Lindner dem kommenden Nationalrat vermutlich nicht angehören wird. Mit Platz zehn der Bundesliste ist er der erste Mandatar, der den Einzug über diese Liste nicht geschafft hat. Für einen Platz im Nationalrat müsste einer der vor ihm gereihten Bundeslistenplätze auf sein Mandat verzichten.

Kleinere Parteien haben zwei LGBT-Abgeordnete, sogar die ÖVP hat einen offen schwulen Mandatar

„Wenn aber die Grünen und NEOS bei deutlich weniger Mandaten jeweils zwei Abgeordnete aus der LGBTIQ-Community haben und selbst die ÖVP einen offen schwul lebenden Abgeordneten hat, ist es absolut unverständlich, dass die SPÖ es offenbar nicht schafft, knapp 10% der Bevölkerung überhaupt zu repräsentieren“, ärgert sich der Vorstand der HOSI Wien.

Gerade queere Jugendliche bräuchten im Zuge ihres Coming-Outs Vorbilder und Repräsentanten in sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen, betont die Interessensvertretung. „Wenn die SPÖ ihren Grundwert der Gleichheit und die Solidarität mit der LGBTIQ-Community ernst meint, dann erwarten wir, dass sie auch eine*n Ansprechpartner*in aus der Community im Nationalrat hat!“, schreibt der Vorstand deshalb der SPÖ-Chefin ins Stammbuch.