Anonym und feig: Schwules Wirtspaar bekommt homophoben Drohbrief

„Neid ist a Luder und macht uns nur stärker“

Anonymer Brief
Gasthof Hotel Eiserne Hand/Facebook

Der Gasthof „Eiserne Hand“ in Fieberbrunn ist ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen. Michael Reiter führt das Haus, das 1887 eröffnet wurde, in fünfter Generation – gemeinsam mit seinem Ehemann Markus. Das dürfte nicht jedem in dem kleinen Tiroler Ort gefallen. Denn am Montag hat das Paar einen widerlichen Brief bekommen, den es auf Facebook öffentlich gemacht hat.

„Wir werden dein Gasthaus meiden. Ansteckungsgefahr“

„Dass Du in der Schwulen (sic!) Szene unterwegs bist ist uns allen längst bekannt gewesen. Wir Fieberbrunner werden auf jeden Fall dein Gasthaus meiden. Ansteckungsgefahr. Wir werden es auch so vielen Gästen wie möglich weiterleiten“, steht in dem anonymen handgeschriebenen Brief, der in Saalfelden aufgegeben wurde.

Nun ist die Homosexualität des Wirtes im Pillerseetal alles andere als ein Geheimnis: Seit seinem 16. Lebensjahr lebt er offen schwul, vor vier Wochen hat das glückliche Paar geheiratet. „Die Feierlichkeiten zogen sich über drei Tage. Insgesamt 350 Leute waren am ersten Tag dabei und haben mit uns gefeiert und sich gefreut“, erzählt Reiter der Kronen Zeitung.

Der Wirt vermutet, dass nur ein einzelner Neider hinter dem feigen Brief steckt

„Ich glaube auch nicht, dass da mehrere Personen dahinter stecken, obwohl von ,Wir Fieberbrunner‘ die Rede ist, sondern wohl eher nur eine Person“, ist sich der Wirt sicher: „Das kann eigentlich nur ein Neider gewesen sein.“ Aber das Wirtspaar lässt sich durch diesen niederträchtigen Brief nicht irritieren. „Neid ist a Luder und macht uns nur stärker“, schreibt Reiter auf Facebook. Aus Sicherheitsgründen wird der Gasthof trotzdem künftig videoüberwacht.

Mit dem anonymen Brief ist er zur Polizei gegangen. „Natürlich haben wir es zur Anzeige gebracht“, schreibt er. „Die Beamten meinten, dass dies eine Beleidigung darstelle, haben den Brief eingescannt und zu den Akten gelegt. Mehr könnte man vorerst nicht tun, haben sie gemeint“, berichtet der Gastwirt der Krone.

Auf Facebook bekommt das Paar viel Zuspruch

Ein Foto des Briefs postete Reiter auf Facebook. Dort bekamen er und sein Mann jede Menge Zuspruch. Lasst euch von so was net unterkriegen“, ist etwa zu lesen. „Unfassbar. Und das in 2019“, schreibt ein weiterer Facebook-User. „Der hat anscheinend noch nie gespürt, was Liebe, Toleranz und Freiheit ist“, ist in einem weiteren Posting zu lesen.

Und der Wirt will sich auch nicht unterkriegen lassen. Er plant jetzt einen Spendenmarathon, um anderen zu helfen. „Etwa jungen Menschen in der Schule, die mit Anfeindungen, vor allem mit Rassismus und dergleichen, zu kämpfen haben“, wie er der Kronen Zeitung sagt.