Ab heute Videoüberwachung bei Berliner Homo-Mahnmal

Zweimonatiger Testbetrieb startet bei dem Denkmal in Tiergarten

Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
LSVD Berlin-Brandenburg

Ab heute wird in Berlin das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen videoüberwacht. Seit seiner Einweihung vor elf Jahren wurde das Denkmal regelmäßig zur Zielscheibe von Vandalen – gefunden konnte bis jetzt kein einziger Täter werden.

Immer öfter wurde das Denkmal für die verfolgten Homosexuellen zum Ziel für Vandalen

Das letzte Mal wurde das Denkmal vor nicht einmal einem Monat von Unbekannten verunstaltet. Mitte September. Zuvor wurde das Sichtfenster am 18. August von Unbekannten mit Farbe beschmiert – genauso wie am 9. und am 30. Juni sowie am 4. August.

Die Mitglieder des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) Berlin-Brandenburg haben deshalb bereits in einer Befragung eine Videoüberwachung für das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen gefördert: Bei einer Mitgliederbefragung stimmten 76,2 der Befragten für eine Überwachung, 23,8 Prozent waren dagegen.

Heute startet eine zwei Monate dauernde Testphase

Und genau diese Videoüberwachung kommt jetzt: Die für das Denkmal verantwortliche Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas hat dem Mannschaft-Magazin bestätigt, dass es keine datenschutzrechtlichen Bedenken gegen die Überwachung gebe.

Heute startet deshalb eine zweimonatige Testphase. Dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer von den Linken zufolge wird die Kamera aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes so positioniert, dass keine Passanten gefilmt werden, sondern nur Menschen, die sich direkt am Denkmal befinden.

Die Mitglieder des LSVD Berlin-Brandenburg haben die Videoüberwachung mit großer Mehrheit gefordert

Der LSVD Berlin-Brandenburg begrüßt die Entscheidung. „Wir haben diesbezüglich großes Vertrauen in die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, so LSVD-Landeschef Jörg Steinert gegenüber dem Online-Portal queer.de. Er hofft, dass die Videokameras die Chancen erhöhen, die Täter zu ermitteln. Bis jetzt konnte noch kein einziger Vandale identifiziert oder gefasst werden.

Das Denkmal wurde auf Beschluss des Deutschen Bundestages gebaut und am 27. Mai 2008 der Öffentlichkeit übergeben. Es wurde vom dänisch-norwegischen Künstler-Duo Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen und greift dabei die Formensprache des Holocaust-Denkmals auf.

Sie wird dabei um ein zusätzliches Element ergänzt: In einer Fensteröffnung ist in Dauerschleife ein Video mit einem gleichgeschlechtlichen Kuss zu sehen. Zu Beginn war es ein Männerkuss, der 2010 von zwei küssenden Frauen abgelöst wurde.