Manfred Bruns ist tot

Der ehemalige Bundesanwalt und Vorkämpfer für LGBT-Rechte starb im Alter von 85 Jahren

Manfred Bruns
LSVD

Einer der wichtigsten Vorkämpfer für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten in Deutschland ist tot. Wie der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) mitteilte, ist der ehemalige Bundesanwalt und LGBTI-Aktivist Manfred Bruns am Dienstag im Alter von 85 Jahren gestorben.

Manfred Bruns war ein Vorkämpfer der jüngeren deutschen LGBT-Bewegung

Er war von 1963 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 Bundesanwalt am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Von 1990 bis zu seinem Tod hat er den LSVD, den er mitbegründete und dessen Sprecher er auch eine Zeit lang war, als Justitiar vertreten.

Bruns prägte die jüngere deutsche Homosexuellenbewegung maßgeblich mit. In zahlreichen Veröffentlichungen und Vorträgen sowie als Gutachter und Sachverständiger trat Bruns für LGBTI-Rechte und für Menschen mit HIV und Aids ein.

So vertrat er auch jene homosexuellen Paare, die gegen die Diskriminierung der Lebenspartnerschaft vor dem Bundesverfassungsgericht klagten und dabei aufsehenerregende Grundsatzurteile erstritten, die letztlich die Eheöffnung unumgänglich machten.

Mehrfache Auszeichnungen für den Vorkämpfer für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten

Für sein Engagement wurde Manfred Bruns mehrfach ausgezeichnet. Nach seiner Pensionierung als Bundesanwalt beam er von Bundespräsident Roman Herzog „für sein gesellschaftliches und gesellschaftspolitisches Engagement für die Emanzipation und Anerkennung Homosexueller, für den Schutz ihrer Rechte und für die Wahrung der Würde von Menschen, die HIV-positiv oder an Aids erkrankt sind“.

Im Jahr 2002 erhielt Bruns die Magnus-Hirschfeld-Medaille, 2008 den Zivilcourage-Preis des Berliner CSD und 2017 für seinen Einsatz für die Ehe-Öffnung und Rehabilitation der nach Paragraf 175 verurteilten Männer die Kompassnadel des Schwulen Netzwerks NRW.

Bruns outete sich zu einer Zeit, als es für einen hohen Beamten noch ein echtes Risiko war

Manfred Bruns wurde 1934 in Linz am Rhein geboren. Im Jahr 1961 heiratete er seine Frau Helga, mit der er drei Kinder aufzog. Mitte der 1980er-Jahre outete sich Bruns nach einem Coming-out in der Familie auch im Beruf und öffentlich in Medien als schwul. Seit 1993 lebte Bruns mit seinem Lebensgefährten in Karlsruhe. Zu seiner Frau, mit der er verheiratet blieb, seinen Kindern und Enkelkindern hielt er weiter guten Kontakt.

Für einen hohen Beamten war das öffentliche Outing zu dieser Zeit ein gewisses Risiko. So zog ihn sein Vorgesetzter anschließend von allen Staatsschutzangelegenheiten ab, weil er als schwuler Mann damals als Sicherheitsrisiko galt.

Trauer über den Tod von Bruns in der gesamten Community

Ein Sprecher des LSVD würdigte Bruns als „Vorkämpfer der LSBTI-Emanzipationsbewegung“ und „juristische Koryphäe des Verbandes und Gründungsstifter der Hirschfeld-Eddy-Stiftung“. „Sein profundes juristisches Wissen und seine Hartnäckigkeit in der Durchsetzung der Gleichstellung war und ist immer noch die Grundlage der heutigen LSBTI* Gesetzgebung“, so der LSVD weiter.

Der ehemalige Grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der mit Bruns lange im LSVD verbunden war, twitterte, er sei „traurig und dankbar, dass wir ihn hatten“. Manfred Bruns sei „ein Großer, ein Mutiger und die LGBT-Community hat ihm, seiner Charakterstärke, Intelligenz und Hartnäckigkeit unendlich viel zu verdanken“.

„Wir verlieren einen Ausnahme-Juristen“

„Manfred Bruns hat großartiges für die Emanzipationsbewegung geleistet – das Lebenspartnerschaftsgesetz zum Beispiel hätte es ohne ihn nicht gegeben. Wir verlieren einen Ausnahme-Juristen, mutigen Kämpfer für die Entstigmatisierung und Gleichstellung und unermüdlichen Rechtsratgeber für LSBTTIQ-Menschen aus allen Teilen Deutschlands“, schrieb die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes ergänzte, dass Deutschland mit Manfred Bruns einen großen Bürgerrechtler verliere. Im Jahr 2012 sei er der erste Träger des Preises für das Engagement gegen Diskriminierung gewesen – „eine Würdigung seines Lebenswerks im Einsatz für die Gleichbehandlung von LSBTI*“.